Holistisch denken
Sich eine Welt auszumalen, in der das Realitätsprinzip abgeschafft ist, praktische Umstände keine Rolle spielen und der Wunsch nur darauf wartet, seine Erfüllung zu finden, das hat wenig mit der Art und Weise zu tun, mit der ich mich durchs Leben bewege. Deswegen entspricht es meinem Bild des idealen Theaters und meinem Selbstverständnis, dass die Künstlerische Leitung und die Geschäftsführung in einer Hand sind. Die eine Seite hat immer auch mit der anderen – ihrem vermeintlichen Gegenteil – zu tun. Ich nenne das holistisch denken. Kein Inhalt ohne Form. Kein Geist ohne Körper.
Keine Reflexion ohne Sinnlichkeit. Nur so kann ein Theater entstehen, in dem die Liebe genauso einen Ort hat wie die Politik.
Das HAU – Hebbel am Ufer kommt in vielerlei Hinsicht meinen Vorstellungen eines idealen Theaters bereits recht nahe. Ein Haus ohne eigenes Ensemble, in dem aber viele Bühnenkünstler eine Heimat haben, ein Haus für Gastspiele und Koproduktionen, für Internationalität und Interdisziplinarität. Zudem ein Ort, an dem wir mit dem HAU1, HAU2, HAU3 über drei Spielstätten mit höchst unterschiedlichen Raumsituationen verfügen. Wir haben nicht nur die Wahl, wenn es um die Frage geht, welcher ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Reale Utpoien, Seite 20
von Annemie Vanackere
Nach jahrhundertealter Ausbeutung von Mensch und Natur werden Utopien, die sich im 21. Jahrhundert zu nichts Geringerem als zur Rettung von Mutter Erde aufschwingen, zum ersten Mal die gegensätzlichsten Gründe aufführen. Der Mensch ist ein Egoist, und er denkt an sein eigenes Wohl. Ja. Der Mensch ist kooperativ und nur darin menschlich, dass er sich ein Gemeinwesen...
Bisher standen Publikumsgespräche ja nicht unbedingt im Verdacht, zu den kontroversesten Genres des Bühnen-Business zu gehören. Zumindest nicht unter den beteiligten Schauspielern: Man gibt kollektiv Auskunft, wie man die schieren Textmassen bewältigt, welcher Inspirationsquellen man sich bedient oder womit man – im aufregendsten Fall – den Regisseur getriezt hat;...
Sehr geehrte Redaktion,
anbei der Text. Wir haben uns nicht an die Längenbeschränkung gehalten, aber das ist nicht schlimm. Wir haben auch keine richtige Utopie verfasst. Die Realität, wie verlangt, einmal möglichst beiseite zu lassen, schien uns keine gute Idee. Stattdessen sind es nun Forderungen geworden, die sich direkt auf das gegenwärtige Theater beziehen....
