Der Weg zum Kuratorenglück
Jede noch so verschmockte Theaterperformance muss »interaktiv« sein, muss ihre Zuschauer zu Akteuren machen, muss die Bedingungen ihrer Produktion und ihren Realitätsstatus reflektieren. Überhaupt wird im Theater – die analogste und deshalb gemäß der paradoxen postmodernen Vernunft zugleich konservativste und politischste Kunstform – wenig dem Zufall überlassen.
Nirgendwo, geneigte Leserin, verehrter Leser, ist das Doppeldenk des Spätkapitalismus stählerner als in den darstellenden Künsten! Man braucht nur ein durchschnittliches Spielzeitprogramm eines durchschnittlichen Stadttheaters oder freien Theaters zu lesen, um zu verzweifeln angesichts der dort verquirlten Mischung aus Traditionspflege und Feierabendrevolte, dieser hysterischen Bestätigung des Bestehenden. Wie bei einer Dogmatik üblich, ist die Zahl der möglichen Argumente beschränkt, für die Künstler selbst jedoch Anlass ewiger Debatten. Vom dekonstruierten Klassiker zum Dokumentarstück, vom Live-Computerspiel zum Stadtraumprojekt sind die für einen außenstehenden Beobachter irrelevanten ideologischen Unterschiede etwa so hart umkämpft wie die Abendmahlskonzeption innerhalb des spätrömischen Christentums.
Da aber die ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Milo Rau, Buchauszug: Was tun. eine Kritik der Postmodernen Vernunft
Neustarts, erste Runde:
Drei Regisseurs-Intendanten geben sich die Ehre. In Köln stürzt sich Stefan Bachmann in einen «Streik», in Stuttgart inszeniert Armin Petras Fritz Katers «5 morgen», und in Leipzig stellt sich Enrico Lübbe mit «Emilia Galotti» vor.
Zum Tod des großen Heiner-Müller-Exegeten und Schauspieler-Verehrers Dimiter Gotscheff: Nachrufe und...
Was für ein Bühnenbild! David Gonter hat einen engen Guckkasten in das Osnabrücker Theater am Domhof gezwängt, eine Bühne in die Bühne, und diesen Kasten als Erdhöhle eingerichtet, als düsteres Dreckloch, das wiederum durchlöchert ist, am Boden und an den Seiten, so dass die Darsteller rein- und rauschlüpfen können. Die Bühne schreit: Dieser Abend wird skurril. Und...
TH Zunächst mal Kompliment, Herr Schmitz. Schweren Herzens müssen wir Sie loben. Der Kulturhaushalt in Berlin soll 2014 knapp 378 Millionen Euro umfassen, das ist ein Zuwachs von 2,7 Prozent; 2015 steigt er auf 396 Millionen, das sind sogar 4,3 Prozent plus. Darin eingeschlossen sind Tariferhöhungen – nicht bei allen Institutionen, aber bei vielen, so dass hier die...
