Faszinierende Mechanik
Wie kann diese schöne Frau nur so kalt sein? Regina Giddens, geborene Hubbard, bei Nina Hoss eine schlanke und elegante Erscheinung in schlichten Etuikleidern, mit hochgestecktem Haar und lackierten Fingernägeln, sitzt ruhig und doch gespannt wie ein Flitzebogen auf der schwarzen Ledersofakante, während ihr herzkranker Gatte Horace (Thomas Bading) seine letzte Reise antritt. Der Weg ist nicht weit, nur zwei Dutzend Treppenstufen trennen ihn von seinem lebensrettenden Medikament.
Gerade noch hat der herzkranke Banker seiner Frau eröffnet, ihr im Konkurrenzkampf mit ihren betrügerischen Investmentbrüdern nicht beizustehen – eine nicht ganz unverständliche Maßnahme, schließlich ist Regina weitaus weniger an ihm als an seinem Geld interessiert. «Ich habe immer Glück», hat sie kühl geantwortet. Prompt bekommt Horace einen Anfall; sein Medikament zerschellt auf dem Boden.
Ein Blick genügt, um zu kapieren: Regina wird ihm jetzt nicht helfen. Also steigt Horace allein die freistehende, bühnenbilddominierende Treppe zum Schlafzimmer empor. Regisseur Thomas Ostermeier lässt Hoss und Bading diesen vergeblichen Aufstieg maximal auskosten: Mit letzter Kraft schleppt Horace sich von Stufe zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
Zur Zeit werden mehrere Theateraufführungen über die Opfer und Taten der faschistischen Gewaltzelle vorbereitet, die sich selbst den Namen «NSU» (Nationalsozialistischer Untergrund) gegeben hat. Münchens Residenztheater und Karlsruhe arbeiten dran, Frankfurt hat mit «Der weiße Wolf» den Anfang gemacht. Während sonst Projekte geplant sind, die sich dem Thema...
Ein Mann wird verlassen, ein Kapitel geschlossen. Mobiliar, Wände, Boden sind weiß abgedeckt, ein früheres Leben verschwindet unter Laken wie eine Leiche. Zeit, sich neu zu erfinden. Gesichter flammen auf, die Laken sind jetzt Leinwände neuer Lebensgeschichten, «Entwürfe zu einem Ich», die Max Frisch 1964 variantenreich ausbreitet, um letztlich doch von der...
Anfang dieses Jahres sorgte der erneute Fall einer dubiosen Kunstsammlung für Aufregung in der bundesdeutschen Medienlandschaft. Auch wenn der normale Leser mit dem Haufen Papier, eingebunden in 34 altmodische Foliobände, wenig anzufangen wusste – die Fachwelt in Literaturarchiven, Theatersammlungen und Bibliotheken war bei Nennung des Namens hellhörig geworden:...
