«Das ist überhaupt kein Theater!»

In seiner Inszenierung «1968. Neue Welt» ruft der junge russische Regisseur Dimitrij Wolkostrelow seinen Landsleuten ins Gedächtnis, dass es damals wie heute mit Emanzipation, Freiheit und Aufbruch nicht weit her war

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Nostalgie ist der Russen heiligste Gefühlsregung, wichtiger noch als Patriotismus und süßer als Sorgen um die Zukunft. Die Vergangenheit aufzupolieren, ist generell eine Eigenschaft des menschlichen Erinnerungsvermögens, die Russen betreiben sie mit besonderem Eifer und in großer Vielfalt: der eine das vorrevolutionäre Russland, ein anderer die bei uns als «Kommissare mit staubigen Helmen» bezeichneten Revolutionäre, die Konservativen die stramme Stalin-Epoche, die Intelligenzija die sanfte Tauwetterperiode.

Sich an die Vergangenheit zu erinnern oder sie nostalgisch zu verklären, sind allerdings verschiedene Dinge. In Russland aber sind es Synonyme. Nicht zu verklären heißt, sich nicht zu erinnern, und das bedeutet: Dir ist nichts heilig. Die hohe Form der Vaterlandsnostalgie betrifft vor allem die 60er Jahre. Diese Epoche lieben alle gleichermaßen. Über die 60er Jahre gibt es in Russland sogar so etwas wie einen Konsens, dem selbst die finstersten Patrioten und die begeistertsten Liberalen zustimmen: Das waren gute Zeiten! Das stimmt, die Zeiten waren wirklich gut. Die 60er Jahre haben die letzte sich als ein Ganzes wahrnehmende Generation hervorgebracht, und: eine letzte ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Ausland Russland, Seite 40
von Marina Davydova

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