Abfahrt auf der Hirnpiste

Seit 25 Jahren bewahrt und entdeckt der Alexander-Verlag Theatertheorie, Literatur und mehr

Theater heute - Logo

Die Legende geht, Alexander Wewerka habe 1983 bei der Gründung und gewerblichen Anmeldung seines Verlags nicht mal einen Namen für dieses Projekt gehabt. Im letzten Moment fiel ihm der eigene Vorname ein und eine Grafik von Roland Topor in die Hand. Der auf einem Gehirn wedelnde Skiläufer wurde, soweit ich das beurteilen kann, zum ungewöhnlichs-ten Logo der deutschen Verlagslandschaft. Der Schauspielschüler und gelernte Buchhändler Alexander wollte abenteuerliche Hirnloipen und steile Abfahrtspisten mit damals entlegener oder vergriffener Theaterliteratur an- und ver­legen.

Peter Brooks «Der leere Raum» wurde zum Wegweiser für das, was Wewerka auf den Weg brachte: Theorie, nicht als Wissenschaft, sondern aus Erfahrung und mit der Lust der Praktiker. Das wurden die Longseller, die mittlerweile in keinem Fußnotenapparat mehr fehlen, wenn es um die Wege der jüngeren Thea­tergeschichte geht.
   

Müller, Fauser, Mamet

Ein großer Paukenschlag dann 1992 mit der ersten Buchausgabe von Heiner Müllers gesammelten Gedichten. Ohne Vor- und Nachwort, in «brutaler Chronologie», wie sie der Meister später für seine Werkausgabe (bei Suhrkamp) verfügte, wurde der Band in grauem Leinen bald zu einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2008
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Thomas Irmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Spiel, Satz, Sieg

Wie viel Handke passt in 100 Minuten Theater? Reichlich. Auch wenn Michael Simons Version des «Spiels vom Fragen» nur etwa ein Drittel der Zeit beansprucht, die sich Claus Peymanns Uraufführung 1990 nahm, erhalten Simon und Dramaturg Tilmann Neufer das Wesentliche. Denn sie nehmen den Titel angenehm wörtlich und entwickeln aus dem als überfrachtet, verstiegen und...

Murder stuff und andere Menschheitsträume

This murder stuff turns you on?», vergewissert sich Wayne, bevor er Brad, dem er sich selbst als Mörder vorschlägt, einen Film zeigt, in dem er an der Ermordung eines Teenagers beteiligt ist. Wir befinden uns mitten in Gisèle Viennes Puppenspiel «Jerk» und in einem Text, den der junge Solo-Performer Jonathan Cape­devielle im Publikum verteilt hat. Waynes Frage an...

Hoffnung auf Änderung

Viel Unglück für Ursula, Anfang 60, allein­stehend, kinderlos. Abends wird sie von ihrer unerbittlich geselligen Mutter terrorisiert, mittags von der netten Kollegin Sabine niedergeredet. Zwischendurch flieht sie in erotische Fantasien mit Harald, ihrem ersten Freund. Dann stirbt die Mutter, und Ursula wird arbeitslos. Folgt ein freudloser Urlaubsversuch und eine...