Wo der Zug durchfährt

Im Projekt «Überleben im Umbruch» erforschen Sozialwissenschaft und Kunst beispielhaft an der Stadt Wittenberge, was fragmentierte Gesellschaften (noch) zusammenhält

Theater heute - Logo

Zurücktreten bitte, eine Zugdurchfahrt» – mehrmals in der Stunde werden die vielen Züge angekündigt, die durchs brandenburgische Wittenberge fahren. Sie halten nur selten an. Die Stadt erscheint auf den ersten Blick als geeignetes Labor, sich dem Leben im Umbruch zu nähern, denn hier zog mit der Wende die nachindustrielle Ära jäh ein. Auf einen Schlag waren zahllose Menschen ohne Arbeit. Ein Drittel verließ die Stadt.

Was ein solcher, in seinen Auswirkungen bis heute anhaltender Einschnitt für die sozialen Beziehungen bedeutet, untersuchen seit 2007 ein Verbund von wissenschaftlichen Instituten und das Maxim Gorki Theater Berlin am Beispiel Wittenberge. Auf einer zweitägigen Konferenz Anfang Oktober zogen die Forscher und Theatermacher eine Zwischenbilanz.

 

Soziologie im Mitropa-Saal

Bezeichnenderweise wurde im alten Mi­tropa-Saal des Wittenberger Bahnhof getagt, einer jener Durchgangsstationen, von denen das moderne Leben geprägt ist. «Nicht-Ort» nannte der Anthropologe Marc Augé einmal solche Transiträume von bloß funktionaler Natur. Im Rücken liegen die Bahntrassen als Verbindungen zur Außenwelt, dem Auge zeigt sich durchs Fenster von der Stadt nicht viel mehr als ein öder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2009
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Tobias Prüwer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fünf Gründe für die Deutsche Bahn

Das wichtigste Requisit des folgenden Textes ist die Mobility Bahncard 100. Die kleine schwarze Karte ist der Rolls Royce unter den Bahncards; nichts für Pendler oder Vielfahrer, eher für Süchtige und Nomaden. Mit ihr kann man, so die Bahn, «einfach einsteigen und losfahren». Zug-Junkies zahlen schlappe 3.650 Euro im Jahr (oder 335 im monatlichen Abo), um permanent...

Hamburgische Dramaturgie

Zierlicher ist es, das neue Logo, mit dem Thalia-Intendant Joachim Lux die Litfaßsäulen Hamburgs schmücken ließ. Zierlicher, strenger und doch merkwürdig vertraut. Aus dem gemütlichen Thalia-Tempel Ulrich Khuons, über dem der Morgenstern aufging, ist mit denselben Stilmitteln ein Strichmännchen geworden, das jederzeit losmarschieren könnte: Kontinuität, Neubeginn...

Theater in TV und Hörfunk

Mit seiner Verfilmung von Schillers „Kabale und Liebe“ gelingt Leander Haußmann das fast Unmögliche: ein über 200 Jahre altes Theaterstück, das der Dichter selbst als „Trauerspiel“ bezeichnete, unterhaltsam und kurzweilig auf die Leinwand zu bringen. Das Liebesdrama um die Bürgerstochter Luise und den jungen Graf Ferdinand wird von Haußmann, der zusammen mit Boris...