Schussfahrt in den Missbrauchs-Abgrund

Elfriede Jelineks wilder Ritt auf den Sprachpisten des Wintersports: «Schnee Weiß (Die Erfindung der alten Leier)», uraufgeführt von Stefan Bachmann in Köln

Theater heute - Logo

 Vollendeten Lektürespaß, gibt der Kölner Intendant Stefan Bachmann in einem Gespräch mit «Deutschlandfunk Kultur» zu Protokoll, hatte er bei «Schnee Weiß (Die Erfindung der alten Leier)» nicht. «Das Lesen von Jelinek-Stücken hat fast was von Folter», gestand er im Vorfeld seiner Ur-Inszenierung der jüngsten Literaturnobelpreisträ­gerinnen-Textfläche sympathisch freimütig. «Im stillen Kämmerlein», so Bachmann weiter, führten «diese unendlichen Assoziationsketten» bei ihm zu «großer Frustration und veritablen Wutanfällen.

» Im Probenraum, «zusammen mit Schauspielern», werde das «sofort sehr viel lustvoller und sinnlicher». 

Sinnlich, im Sinne von bodenständig (und also konsequent), beginnt auch Bachmanns Inszenierung im Kölner Depot 2. Es ist eine treffsichere Ballermann-Stimmung, in die man hier geworfen wird; nur eben – von wegen «Schnee Weiß» – auf österreichisch-winterlich: Halsbrecherisch und in stilechter Skikleidung, die zu vorgerückter Stunde auch mal unansehnlichen Nackt-Fatsuits weicht, werfen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler Simon Kirsch, Lola Klamroth, Peter Knaack, Nikolay Sidorenko und Sabine Waibel eingangs von einem Kunst-Schneehang herunter. Jana ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Christine Wahl

Weitere Beiträge
Blind Date mit dem Zuschauer

Haltung mit Unterhaltung», so lautet das Motto der ersten Spielzeit, die die neue Intendantin Bettina Jahnke fürs Potsdamer Hans Otto Theater geplant hat. Das klingt ein bisschen wie Eier legende Wollmilchsau, denn Haltung ist ja jenes Unbeugsame, das erst im Widerspruch zur Allgemeinfreundlichkeit zur Deutlichkeit gelangt. Die Unterhaltung möchte jedermann...

Weimar: Die Kolonialisten

Wie lassen sich zwei Zipfel Theatergeschichte zu einem zeitgenössischen Unterhaltungsabend verknoten? Angestrengt sächselnd zwängt sich Nadja Robiné in den Fahrstuhl nach Peru, also in Heiner Müllers Ausbruchs-Fantasie eines zentraleuropäischen Bürokraten (alias der «Mann im Fahrstuhl»). Es ist das Intro zu diesem Doppelabend von Christian Weise im Weimarer E-Werk,...

Indianer spielen geht nicht mehr

Zu Jahresbeginn fanden in Lenapehoking mal wieder zahlreiche Theaterfestivals statt. Auch «Under the Radar», dessen Symposium diesmal eröffnet wurde mit einer Runde von 70 schweigend im Kreis stehenden Kuratoren aus der ganzen Welt, die bei geschlossenen Augen einer Vertreterin der Lenape, der Urbevölkerung von New York City, andächtig lauschten. Sie erinnerten an...