Equilibrist der Aussparung
Unglaublicherweise liefern Familienaufstellungen noch immer die besten Daten, um herauszufinden, wer wir sind. Wir erfahren etwas über die unbekannten Bedingungen der Möglichkeit, andere wahrzunehmen und mit anderen zusammenzusein. So unpersönlich, wie Fosse die Sache in seinem neuen Stück «Besuch» angeht, wird daraus rasch ein Experiment mit Laborcharakter. Wenige formelhafte Informationen zeichnen eine familiäre Situation mit einer unentschärften Bombe im Zentrum. Die Situation wird in einen abgeschlossenen Raum versetzt und sich selbst überlassen.
Man nehme eine Mutter mit ihren zwei erwachsenen Kindern verschiedenen Geschlechts und einen Mann, den Freund der Mutter, der nicht der Vater der Kinder ist, und stelle sie in eine Wohnung vor die Türe zum Kinderzimmer. Im Kinderzimmer braut sich etwas zusammen. Die Türe klappt gelegentlich auf und zu und setzt Schwaden von Angst frei. Was sich dort genau abgespielt hat oder noch immer abspielt, lässt sich nicht erkennen. Das Licht trifft nur Umrisse, wir sehen nur die für das Experiment nötigen Konturen.
Im Kinderzimmer lebt das jetzt bald neunzehnjährige Mädchen allein in einem regressiven Zustand, sie vergnügt sich daran, dass sie ...
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Alltagsmenschen im Ausnahmezustand interessieren Sergi Belbel sehr. Um sie möglichst schnell dahin zu bringen, verwendet er starken Zündstoff: Kidnapping, schwere Unfälle, Terroranschläge sind Auslöser für plötzliche Seelenauffaltungen mittlerer Manager oder bringen festgefahrene Familienstrukturen in Bewegung. Er treibt seine Menschen rasch in die Katastrophe und...
Der Gegenwartsautor ist im Zeitalter von Projekten und omnipotenten Regisseuren zu einer knöchernen Existenz erstarrt: altmodisch, lästig, rückständig in seinem Beharren auf Sprache, anmaßend in dem Glauben, einem Text könne vertraut werden. Katharina Schmidt, Jahrgang 1980 und Absolventin des Studienganges «Szenisches Schreiben» an der Universität der Künste...
Erste Geschichte, die von dem Spiegel und von den Scherben handelt», diesen Untertitel trägt der erste Teil des Märchens «Die Schneekönigin» von Hans Christian Andersen. Der Spiegel des Teufels, der alles genau umgekehrt zeigt, wie es ist, stürzt von einem Himmelsflug zu Erde, «wo er in hunderte Millionen, Billionen und noch mehr Stücke» zerspringt. Und nun...
