Theater als Arbeit am Bösen

20 Jahre nach seinem Tod sind die Texte von Heiner Müller nach wie vor abgründige Fund- und Fallgruben des politischen Denkens. Nikolaus Müller-Schöll unterzieht den gründlich vergessenen «Horatier» einer aufschlussreichen Neulektüre über Recht, Gesetz und Terrorismus.

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Was Heiner Müllers «Horatier» gerade heute zum Terrorismus zu sagen hat

Der namenlose Kämpfer stößt dem verwundeten Gegner, der am Boden liegt und «mit schwindender Stimme» um Schonung bittet, «sein Schwert in den Hals, daß das Blut auf die Erde» fällt, er wirft sich das blutige Schlachtkleid des Getöteten über die Schulter, steckt sich dessen Waffe in den Gürtel und behält das eigene blutige Schwert in Händen. So wird er vom Volk bejubelt.

Die Rede ist nicht von einem islamistischen Milizionär in Diensten des IS, der einen weiteren Gefangenen enthauptet hat.

Die Rede ist nicht von einer Szene aus dem Jemen, dem Sudan, der Ukraine oder einem der vielen anderen gegenwärtigen Schauplätze extremer Gewalt. Die Rede ist von einem von uns. Von dem «Horatier» in Heiner Müllers gleichnami­gem Stück, das paradigmatisch stehen könnte für ein Theater, das sich begreift als «Arbeit am Bösen»: Damit ist zunächst einmal gemeint, dass das Theater, entgegen seiner aufklärerischen Rechtfertigungen als «moralische Anstalt», Stätte der Erziehung, der Nationenbildung und Selbstverständigung einer Gesellschaft, in seiner abendländischen Form von seinen Anfängen bis zu den jüngsten Beispielen der ...

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Theater heute März 2016
Rubrik: Essay, Seite 44
von Nikolaus Müller-Schöll

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Daten

Aachen, Grenzlandtheater
11. Zeller, Die Lüge
R. Jens Pesel

Aachen, Theater
9. Melle, Partner (U)
R. Eike Hahnemann
18. Walser, Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel
R. Thomas Ladwig
19. nach Lenz, Deutschstunde
R. Bernadette Sonnenbichler

Altenburg/Gera, TPT
11. Paschinger/Stengele, Das zweischneidige Schwert (U)
R. Bernhard Stengele
13. Kästner, Geschichte eines Moralisten
R....

Ein lauter, galliger Witz

Die Anforderungen sind durchaus abschreckend. Ein Master-Studienabschluss sei für eine diplomatische Karriere Pflicht, singt Anne Tismer. Außerdem perfekte Kenntnisse in Französisch und Englisch. Die Bereitschaft, alle drei Jahre umzuziehen. Und so weiter, puh. Tismer singt, Gotta Depri trommelt. Und dann grinst er: Den ganzen Text habe sie ja wohl fleißig auf...