Unterm Kronleuchter

Im Hamburger Thalia Theater versammelt sich seit Jahrzehnten das distinguierte Bürgertum der Hansestadt, während sich auf Kampnagel oder im Schauspielhaus eher die diversifizierte Stadtgesellschaft trifft

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Volk vorbei» ihre Entscheidungen. Vielleicht erinnern sich einige ja auch an die ab Anfang Oktober 1989 allabendlich verlesene und unter den damaligen Umständen wirklich spektakulär mutige Forderung aus der Resolution des Dresdner Staatsschauspiels, «dass Lüge und Schönfärberei aus unseren Medien verschwinden» müssen, wenn sie Anfang 2015 bei Pegida «Lügenpresse» hören und/oder rufen.

Doppelte Verbitterung

Auf diese Resolution übrigens rekurriert auch der Dresdner Gegen-Pegi­da-Konsens, und zwar – im Gegensatz zu Bachmann und Co.

– nicht ahistorisch-verschwiemelnd, sondern direkt: Zu den Hochzeiten der «Lügenpresse»- und «Volksverräter»-Märsche treten die Dresdner Schauspieler nach jeder Vorstellung mit einem Aufruf zu Weltoffenheit an die Rampe. Danach starten draußen, vorm Großen Haus, zu vorgerückter Montagabendstunde auch die Gegendemonstrationen, deren Teilnehmer nach Augenmaßschätzung altersmäßig unter dem Pegida-Durchschnitt liegen und mit Warnwesten und symbolischem Reinigungsequipment zu den Kundgebungsplätzen ziehen, um sie von den dort artikulierten «Vorurteilen zu reinigen», wie die Pressesprecherin des Dresdner Staatsschauspiels Martina Aschmies erklärt.

Bis dahin wird ...

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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Konsens im Parkett, Seite 35
von Till Briegleb

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