Kopfgeburt
Seht euch diese Augen an, riesige Puppenaugen, die schläfrig, mild und traurig in die Welt blicken. Sie schauen aus riesigen Schwellköpfen, die die Figuren aus Lukas Linders «Die Trägheit» tragen, so dass der Rest ihres Körpers unverhältnismäßig klein und putzig wirkt, wenn sie etwa mit den Händen in die Luft greifen oder die Beinchen regen.
Menschen am Rande des Abgrunds – oder darüber hinaus, so zeigt es die Bühne im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspiels, wo Tina Lanik auf schräg und hoch gestellter gelber Fläche das Puppenkisten-Drama aus dem beschädigten Leben uraufführt. Die Regisseurin hat sich einen Kopf gemacht – und damit dem ein bisschen zu netten Stück über die träge Masse Mensch eine ihm dienliche Formbehauptung aufgepflanzt.
Linder, Sieger des von Thomas Jonigk initiierten Düsseldorfer Nachwuchs-«Autorenlabors» 2008/09, erzählt von Herrn Kleinmann. Der ist, wie sein amerikanischer Vorvater, der Handlungsreisende Willy Loman, ein Jedermann. Ohnehin über Nacht grau geworden, wird die Welt noch eine Schattierung dunkler, als ihm sein Chef Walter kündigt. Was bleibt dem übrig, droht doch ständig der Konkurs, so dass er mit einem Sprung aus dem Fenster seiner ...
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1993 «100 Jahre CDU», Volksbühne Berlin
«100 Jahre CDU» hat schon einiges, woran man Schlingensiefs Theater wiedererkennen kann. Ein Grundeinfall ist bereits die Show. Die Szenerie ist eingerahmt von schwarzen Hängern mit Lichtpunkten, auf der Bühne steht eine große Showtreppe, die sich drehen kann, vorne links ein Stehpult mit Mikrofon, vorne rechts eine...
Haben Sie sich schon überlegt, wie die Zukunft des Theaters aussehen wird? Das ist die große Frage, mit der ich mich heute beschäftigen möchte. Und jemand, der sich darüber schon Gedanken gemacht hat, war ein ganz bekannter Physiker, der nannte sich John Richard Gott der III. (der heißt tatsächlich so), und er hat nicht nur die Zukunft des Theaters sich sozusagen...
Es ist, als ob das Leben selbst gestorben wäre.» Das sagt man so, wenn man sehr traurig ist. Aber auf Christoph Schlingensief bezogen ist dieser Satz, den Elfriede Jelinek unmittelbar nach seinem Tod äußerte, mehr als vage Trauerprosa, die man hinschreibt, um seine Betroffenheit zu zeigen. Vielleicht verkörperte er tatsächlich das Leben. Umfassender als die meisten...
