Zurüstungen für die Gegenwart

Was nicht passt, wird passend gemacht: Neue Stücke von Anne Lepper und Lukas Bärfuss zeigen szenische Versuchs­anordnungen für die, die sich dem Diktat der Nützlichkeit nicht stellen können oder wollen: «Seymour» in Hannover, «Zwanzigtausend Seiten» in Zürich (der vollständige Stückabdruck liegt diesem Heft bei)

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Vermutlich lässt sich in keinem anderen Medium das Nützlichkeitsdenken besser und paradoxer verhandeln als im Theater. Denn dessen Erzeugnisse kann man bekanntlich nicht ins Regal stellen und nicht an die Wand hängen, sie werden nie im Leben einen aktienähnlichen Wertzuwachs erleben, und das Abo im Stadttheater befördert heute nicht mal mehr den sozialen Status. Sie sind nichts als Augenblick.

Da sind sie also am richtigen Platz, die Anti-Helden in den neuen Stücken von Anne Lepper und Lukas Bärfuss, die nicht hineinpassen in unsere Welt des Schneller, Höher, Weiter, Schöner, Schlanker, Effizienter.

Zauberberg der dicken Kinder

Wie die Kinder in «Hund wohin gehen wir», mit dem Anne Lepper, 1978 in Essen geboren, 2011 beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens einen Werkauftrag gewonnen hat. Das Stück spielte in einem klaustrophobischen Waisenhaus, in dem Kinder auf eine Welt draußen vorbereitet werden, die sie vermutlich nie erblicken. «Seymour oder Ich bin nur aus Ver­sehen hier», das Stück, das jetzt fürs Schauspiel Hannover entstand, bleibt diesem Setting treu und schickt seinen Protagonisten Leo zu den dicken Kindern Max, Oskar, Heidi und Robert auf einen Zauberberg der ...

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Theater heute März 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Barbara Burckhardt

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