Das soziale Mobile
Mein aktuelles Lieblingsstück gefällt mir so gut, dass ich eigentlich gar nichts verraten möchte. Ich will versuchen, möglichst unzusammenhängende Information zu geben. Der Titel darf genannt werden. Er ist geheimnisvoller als der nebulöseste Kommentar sein kann: «The Ritual Slaughter of Gorge Mastromas». Es existiert noch keine offizielle Übersetzung davon. Der Autor, Dennis Kelly, sagt (soviel Indiskretion muss erlaubt sein): «No, it is Gorge, not George. And it’s not an English name. But I liked that it sounds
somehow european.
»
Es ist an verschiedenen Stellen schon darauf hingewiesen worden, dass Dennis Kellys ganz persönlicher Sport darin zu bestehen scheint, sich mit jedem Stück als Autor neu zu erfinden. Neuer Inhalt, neue Form, neue Mittel. Wer dergleichen auch hier wieder erwartet, soll nicht enttäuscht werden. Nun schreiben Autoren, die ein wenig arriviert sind, wenn sie dennoch Stückaufträge annehmen, gern etwas Handliches im Kammerspielformat: ein paar Figuren, ein Bühnenbild, luftiger Dialog. Die erste Überraschung, die «Gorge Mastromas» bereit hält, ist, dass das Stück eine epische Lebensgeschichte geradezu Balzacschen Zuschnittes erzählt: desillusionierter Realismus, ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 158
von Andreas Erdmann
Gar nicht so einfach, in der Vielfalt der Stile und Inszenierungen einen Schauspieler
des Jahres zu küren!
Selten war das Spektrum der Kritiker-Voten so groß wie in diesem Jahr. Deshalb gratulieren wir auf den folgenden Seiten nicht nur Jens Harzer, dem Schauspieler des Jahres, sondern auch den 29 anderen, die mindestens einen Kritiker überwältigt haben. Klare...
Ich bin gebeten worden, über etwas zu schreiben, das mich wütend macht, und angesichts der Welt, wie sie ist, befinde ich mich ohnehin fast ständig in einem Zustand von anschwellender Wut. Es sollte also nicht schwierig sein. Aber seltsamerweise werde ich nicht über etwas schreiben, das mich ärgert, sondern über etwas, das mich verwirrt. Schon dieser Umstand macht...
Wer sich gefragt hat, wo eigentlich Elfriede Jelineks Text oder Stück zum Fall Josef Fritzl bleibt – hier ist er oder es. «FaustIn and out» schaut in die Hölle, die sich vierundzwanzig Jahre lang in einem unterkellerten Haus in Amstetten in Österreich befand. Der mittlerweile zu lebenslanger Haft verurteilte Fritzl hatte seine Tochter im Keller eingesperrt, mit...
