Die richtige Seite
Wie auf einer riesigen Welle tänzelnd, nähert sich dem Publikum ein schmächtiger, verschlagene Präsenz ausstrahlender Anzugträger. Sein siegesgewisses Lachen überträgt ein zweiköpfiges Kamerateam kinogroß auf den über der Bühne prangenden Bildschirm. Im Nu erklimmt er die Sitzreihen, stellt den in ängstlicher Faszination verharrenden Zuschauern übergriffige Fragen und hält einen Monolog über die Zerstörung als Lebensprinzip: «Der Anblick von Zerstörtem verschafft mir ein Schauspiel tiefster Harmonie.
» Der Zerstörungsfetischist heißt Nick, ist Fernsehjournalist und repräsentiert eine zeitgenössische Jago-Figur. Exemplarisch steht er für die mediale Manipulation in unserer digitalen Welt: Der berufliche Aufstieg und die Neuausrichtung des ursprünglich kritischen Nachrichtensenders 1West als rechtsextreme Meinungsschmiede (der selbsternannten «Bürgerpartei» AfE) gelingt ihm durch trickreiche mediale Manöver, bei denen mehrere Menschen ihr Leben lassen.
Entstanden als kollektive Stückentwicklung in einem sogenannten Writers’ Room dreier Autoren (Volker Lösch, Oliver Schmaering, Ulf Schmidt, s. TH 10/2016), nimmt «Das Prinzip Jago» Motivik und Figuren seines berühmten Prätextes ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Natalie Bloch
Wer schon immer mal wissen wollte, wie es Menschen wie Iggy Pop geht oder weiland Lemmy von «Motörhead» oder Janis Joplin, der sollte Simon Stephens’ letztes Stück «Birdland» lesen (und sich nicht daran stören, dass es darin vor Klischees nur so wimmelt). Lesen wohlgemerkt, denn wenn man sich die deutsche Erstaufführung im Nationaltheater Mannheim ansieht,...
Es gibt sie tatsächlich, die Theaterkritiker, die in ihrem Leben nichts von Bedeutung erlebt haben, außer, was ihnen die Bühne als Material anbot. Was von Kritik verletzte Schauspieler und Regisseure seit ewigen Zeiten als gehässige Vermutung über den Beruf des Aufführungsrichters ablassen, dass diesen wohl nur im Leben Zukurzgekommene ergreifen, die das...
Als die Blendscheinwerfer verlöschen und der Nebel sich lichtet, schaut das Publikum ins Paradies. Der Schöpfer ist wohl eben ausgetreten, die Schaukel schwingt noch, aber leer. Auf den zweiten Blick erkennt man, wie künstlich das Paradies beschaffen ist. Schilf sprießt am Pool, rechts duckt sich eine Palme, Farn wedelt, Blumen recken die Köpfe nach ihrem...
