Philipp Otto (Walter Faber) und Seraina Leuenberger (Elisabeth Piper); Foto: Dieter Wuschanski
Chemnitz: Technik und Tabu
Gibt es solche Männer wie Walter Faber eigentlich noch? Typen, die ihren Ingenieursberuf nicht nur deshalb so schätzen, weil er strikt auf Logik basiert, sondern auch, weil er ihnen Anlass gibt, sich vor den angeblich irrationalen Wünschen und Forderungen ihrer Geliebten und Lebensgefährtinnen zu verdrücken? Männer, die beim Assoziationspingpong in einer griechischen Nacht die Brandung am Strand mit Bierschaum und Glaswolle vergleichen (während die weibliche Mitspielerin an eine Rüsche denkt)? Die sich an Technik klammern in der Hoffnung, sie möge ihnen das Unglück vom Leib halten, in
die das Leben noch den Vernünftigsten stürzt?
Am Schauspiel Chemnitz ist Walter Faber sicherheitshalber eine historische Figur. Max Frischs Roman «Homo faber» spielt in den fünfziger Jahren in New York, Guatemala, auf dem Atlantik, in Frankreich, Italien und Athen; der Zweite Weltkrieg, der Holocaust schwappen noch als Vorgeschichte in die Handlung hinein. Flugzeuge, Kreuzfahrtschiffe, Autos bewegen die Protagonisten dieses in jeder Hinsicht modernen Romans auf die Katastrophe zu, auch wenn der Flugzeugabsturz glimpflich abläuft, der tödliche Sturz zu Fuß erfolgt und die wahre Tragödie am Ende so alt ...
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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Eva Behrendt
Dafür, dass er aus der Generation Pop stammt, hat der oberösterreichische Dramatiker Thomas Köck (geb. 1986) ein erstaunliches Faible für klassische Musikformen. «Paradies fluten» war als «verirrte Sinfonie» ausgewiesen, sein jüngstes Werk «Die Zukunft reicht uns nicht» firmiert nun als «postheroische Schuldenkantate»; der Untertitel «Klagt, Kinder, klagt!» zitiert...
Die Nacht an sich ist nicht das Problem. Das Problem ist das Einschlafen, der Moment, wenn ein Alb namens Dolores, «die Schmerzensreiche», ans Bett tritt und einen peinigt. Manchmal sitzt Dolores einem nur auf der Brust, das geht dann noch, unter Umständen wärmt sie sogar, aber meist zwängt sie einem die Augenlider auseinander. Oder sie nimmt einem den Atem. Oder...
Es ist sehr schlüssig, dass das Schauspiel Leipzig mit seiner Präsentier- und Probierstätte für neue Dramatik in eine alte Diskothek gezogen ist. Also in einen Tanzraum neben dem Haupthaus, in dem bis vor wenigen Jahren tatsächlich noch die Bässe wummerten. Das zeitgenössische Theaterschreiben hat ja selber etwas Kruder-und-Dorfmeister-mäßiges, Elektropop vom...
