Anatomie Tschechow
Auf die Idee muss man erst einmal kommen: Falk Richter hat für seine «Kirschgarten»-Inszenierung Tschechows russisches Original einer Agentur gegeben, die üblicherweise auf die Übersetzung von Wirtschaftstexten spezialisiert ist, und auf dieser Grundlage eine Neubearbeitung angefertigt.
Abgesehen von einem souveränen Mangel an Bescheidenheit – ich schreib mir endlich einen besseren Tschechow –, bestrickt die optimistische Erwartungsfreude und der künstlerische Wagemut: Was kommt wohl heraus, wenn man den «Kirschgarten» durch den gleichen Wortfleischwolf dreht, durch den sonst Geschäftsbriefroutinen gehen? Doch wohl hoffentlich keine Geschäftsbriefroutinen?? Die Dramaturgie des Hauses ist jedenfalls von sich selbst angemessen begeistert, lobt das «vielversprechende Experiment» und den auf diese Weise «naturgemäß versachlichten, ökonomisierten Text». Wie schön, dass man sich auch über Geschäftsbriefe freuen kann.
So viele Sympathiepunkte hat Lopachin schon lange nicht mehr gesammelt. Der zu Geld gekommene Bauernsohn ist dem neuen Schaubühnen-Tschechow umstandslos vorangestellt: Bruno Cathomas hat Lopachins neureiche Korpulenz in einen figurfreundlichen Maßanzug gefüllt und auch sonst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Still war es um ihn geworden in den 90ern, als hätten das Ende der Ära Strauß und die Wiedervereinigung seine Interventionen überflüssig gemacht. Und damit ihn, den Filmemacher, Dramatiker, Lyriker, Romanautor, Maler, Bildhauer, Theaterregisseur, Grantler und Provokateur: Herbert Achternbusch, Universalkünstler, Anarchogenie, Poète maudit. Doch nun scheint sich...
Der Abend spielt im Salon Christian Dior Anfang der fünfziger Jahre, wo der Meister, ein liebenswert überkandideltes, konfuses Dickerchen (Marc Bodnar), und sein junger Schüler Yves Saint Laurent, ein Schlacks mit blonden Schmachtlocken (Graham F. Valentine), die Annalen des Hauses aufblättern. Der Erlesenheit des Ambientes, für das Anna Viebrock mit wonnevollem...
Ein bisschen Oper muss sein. Mit Mozart und Cage hat Chefregisseur Ludger Engels am Theater Aachen überregional Aufsehen erregt. Im Sprechtheater weniger. Warum also nicht der ziemlich dahinsiechenden zweiten Sparte mal eine erfrischende Klangkur verpassen? Für das annoncierte «Schauspiel-Ereignis der Spielzeit» leiht sich Engels den Sinfonischen Chor vom...
