Dramatische Kulturtechniken
So ein zeitgenössischer Theaterautor hat es wirklich nicht leicht heutzutage. Da kommt man in eine Stadt, von der man nicht viel kennt außer Bahnhof, Theater und einem mittelschlechten Vertreter-Hotel auf halbem Weg dazwischen, soll ein möglichst zugkräftiges Stück mit intensivem Ortsbezug entwickeln und dabei auch noch schlauer als alle anderen sein. Nämlich selbstverständlich voll auf der Höhe der angesagten Kunst-, Medien- und Gesellschaftsdiskurse schweben und dabei glaubwürdig und natürlich auch kritisch bleiben, aber bitte kompromisslos und karriereverachtend kritisch.
Das alles termingerecht und möglichst dreimal im Jahr, denn von einem Stückauftrag allein kann niemand leben. Bei Nichtlieferung hat das Theater schon den Anwalt bei der Hand, der dem verträumten Schreiberling in seiner Berliner Szeneklause Beine macht oder wenigstens den Vorschuss wieder einkassiert.
So oder ähnlich darf man sich das beschwerliche Leben des «Unsicher wirkenden jungen Mannes» vorstellen, der in Nis-Momme Stockmanns neuem Stück «Amerikanisches Detektivinstitut Lasso» in Hannover als schüchternes Autor-Alter-Ego durchs Theater und das nahegelegene Hotel am Thielenplatz schleicht und mit ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 24
von Franz Wille
Peter Handke war und ist eine Zumutung für das Theater. Zuerst, in den frühen «Sprechstücken», trieb der Autor es systematisch an seine formalen Grenzen. Seit «Über die Dörfer» (1981) schreibt er dramatische Gedichte, in denen es zwar vergleichsweise konventionelle Dialoge und Figuren gibt, die auf ihre Art aber ähnlich weit weg vom Drama sind wie Elfriede...
Garantiert anspielungsfrei, aktualitätsresistent und gegenwartsabstinent ist diese Aufführung. Keine Wirtschaftskrise, kein Dschihad und kein Flüchtling trübt die grundschwarze Bühne. Das Spiel kreist, meist aufgeregt, um sich selbst. Natürlich stellt man sich, als Kritiker zumal, bedenklich die Frage, was das soll.
Der «Revisor» ist eine Entlarvungsgeschichte aus...
Ödipus hat eben noch Nachrichten geglotzt. Das Volk rotte sich auf den Straßen zusammen, berichtet er seiner Gattin Iokaste, die zwar eben noch einen Apfel geschält, aber, als Ödipus endlich ins Schlafzimmer tritt, längst die Hoffnung auf einen Sündenfall aufgegeben hat. Sie liegt im Bett, er macht sich bettfertig. Eine Lage zum Vergessen, wer hier der Regent ist...
