Erschlafftes Wachstum
Was macht eigentlich Robert Stadlober (der wuschelköpfige «Wuschel» aus Leander Haußmanns DDR-Grenzerkomödie «Sonnenallee», der mit der Rolling-Stones-Doppel-LP unterm T-Shirt)? Er sieht eigentlich noch immer wuschelköpfig aus, trägt inzwischen Anzug, hat eine E-Gitarre in die Hände genommen und singt Lieder zum Lobpreis von Herbert Marcuse: «Der eindimensionale Mensch wird 50.
» Nicht allein, sondern als Teil einer All-Star-Combo mit den Diskurspoppern Andreas Spechtl («Ja, Panik») und – in Graz und auf der anschließenden Tour wegen Stimmbandproblemen nicht mehr dabei – Kristof Schreuf («Kolossale Jugend»).
Zur historischen Beglaubigung dieser Marcuse-Jam ist «konkret»-Autor Thomas Ebermann dabei, der in einem launigen Intro zur Eröffnung des Konzerts den rebellischen Geist der Schriften des 68er-Philosophen wie eine Anekdotensammlung aus dem Folianten vorträgt, ehe er sich in einen Sessel hinterm Gazevorhang zurückzieht, um von dort – gleichsam in Marcuse-Pose – Zigarettenrauch und Aura zu verströmen. Vorn wird derweil reichlich zwei Stunden lang an einer Wall of Sound gebastelt. Es fiept und zischt elektropoppig, und man vernimmt gelegentlich noch Bruchstücke über die ...
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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Magazin: Avantgarde, Seite 66
von Christian Rakow
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