Vor Ort sein!
Theater machen in der Provinz. Klingt reichlich zweitklassig und meilenweit weg vom Berliner Theatertreffen. Aber was ist eigentlich Provinz? Universitätsstandorte wie Tübingen oder Heidelberg? Wirtschafts- und Verwaltungszentren wie Mannheim oder Karlsruhe? Wer heute im Zeitalter von Breitbandinternet, ICEs und dem dichtesten Autobahnnetz der Welt noch Provinz sagt, denkt in Kategorien des 19. Jahrhunderts. Provinz, das spielt sich inzwischen im Kopf ab, findet sich nicht in Kleinstädterei, sondern in Denkfaulheit und Ideenarmut.
Ersetzen wir das schöne P-Wort, das auch ein wenig nach Ferien und Natur klingt, durch ein eher sachliches «vor Ort sein». Denn daran bemisst sich Qualität und Nachhaltigkeit von Theaterarbeit. Vor Ort finden sich die konkreten Themen und Stoffe, die nichtprovinzielle Theaterarbeit wichtig machen.
Vor Ort trifft man auch auf ein besonderes Publikum: Gerade die oft als rückständig geschmähten Abonnenten unserer Landes-, Stadt- und Staatstheater verfügen durch ihre langjährige beharrliche Theatertreue über eine große Bandbreite von Theatersprachen und Regiehandschriften. Viele von ihnen haben eine Theaterallgemeinbildung, die vergleichbar in den großen ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Peter Spuhler
Es gibt sie wirklich – Mails, die alle Probleme mit einen Handstreich aus der Welt schaffen können. Bei Peter Thiessen traf eine solche Nachricht am Anfang des Jahres 2007 ein. Sie stammte von der Regisseurin Friederike Heller und enthielt eine vorsichtige Anfrage: ob er sich vorstellen könne, mit seiner Band die Musik für eine ihrer Theaterproduktionen zu...
Es war nicht ganz einfach in den letzten Monaten, mit Anna Drexler einen Termin auszumachen. In den Münchner Kammerspielen stand sie in diversen Produktionen auf der Bühne, im Deutschen Theater in Berlin probte sie mit Jette Steckel Schnitzlers «Weites Land». Gleich zwei Pressereferentinnen waren mit dem Interview-Wunsch beschäftigt, zu einem Treffen mit Drexler...
Hast Du die ‹Situation mit ausgestrecktem Arm› im HAU gesehen?», fragt mich eine Kollegin nach dem Eröffnungstag des 100° Berlin Festivals. «Das soll nämlich richtig gut gewesen sein.»
Mit großer Wahrscheinlichkeit löst diese Frage beim Vier-Tage-Marathon des freien Theaters ein Krisengefühl aus. Die Gefragte saß zu diesem Zeitpunkt beispielsweise im Shuttle zu...
