Die richtigen Knöpfe

Johan Simons will in Bochum das Weltbürgertum wachküssen und eröffnet mit «Die Jüdin von Toledo», Lies Pauwels «Hamilton­komplex» und einer Problem­austreibung von Benny Claessens

Theater heute - Logo

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben wir uns totgesiegt.» Diesen Satz möchte der Historiker Philipp Blom «gerade den linken, liberalen Intellektuellen» zur Eröffnung der Intendanz Johan Simons ins Stammbuch schreiben: Das Bewusstsein, aus einer Position der Macht und der Privilegien zu sprechen, zu lehren, politische Kunst zu machen, war in der Tat lange Zeit nicht sonderlich ausgeprägt.

Schließlich war die linksliberale Elite nicht nur davon überzeugt, in ihrem Einsatz für Menschenrechte, mehr Demokratie und Kritik am Kapitalismus auf der Seite der Benachteiligten für eine bessere Welt zu kämpfen. Sie identifizierte sich auch weder mit dem Kapital noch mit den traditionellen, konservativen Eliten. Doch obwohl ihre Macht mehr kulturell als materiell war, hat sie die soziale Spaltung der globalisierten Gesellschaften nicht verhindern können: Das weltweite Erstarken rechtsnationaler Kräfte deutet Blom jedenfalls eindeutig als Aufstand gegen eben jene liberalen Eliten.

Aber was folgt daraus für die Kunst? Muss sie wieder klassenkämpferischer werden und jede Identitätsagenda über Bord werfen, wie der Berliner Dramaturg und #Aufstehen-Vordenker Bernd Stegemann fordert? Oder ist es klüger, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Starts, Seite 22
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Auf der Suche nach der wahren Illusion

Die Lüge gibt es bekanntlich in unterschiedlich großem Zuschnitt. Meist hat sie kurze Beine und hoppelt als lässliche Schummelei daher. Manchmal wächst sie sich zu etwas Größerem aus, zum echten Trugbild, zum Bluff, zum Lügengespinst womöglich. Da streift sie dann schon die Sphäre des Künstlerischen. Aber nur ganz selten zeigt sich die elementare Lüge, die Lüge im...

Neue Stücke · Aufführungen (12/2018)

Aufführungen 

Zwei große Mörderinnen der Dramengeschichte werden im Dezember wieder Männer töten, die sie lieben: Medea bringt ihre Söhne um, Salome den begehrten Jochanaan. Mateja Koleznik bringt die «Medea» von Franz Grillparzer mit Sylvana Krappatsch in der Titelrolle auf die Bühne des Stuttgarter Schauspielhauses; Simon Stone überschreibt Euripides’ Drama mit...

Halle: Nerd auf Abwegen

Streng blickt der junge Tschaikowsky vom großen Poster auf das Bett von Jannik, gespielt im Fatsuit von Alexander Pensel, der sich gerade zu einer Rach­maninov-Suite einen runterholt – natürlich um dann punktgenau von seiner Mutter (Petra Ehlert) dabei gestört zu werden. Jugend ist ein Stahlbad, besonders wenn man gleichzeitig schwul, dick und eben ein Klassik-Nerd...