Hamburg: Im Fortschritts-Express
In der Betonwand klafft ein riesiges Loch, durch das eine überdimensionale Lokomotive gebrochen ist. Jetzt steht sie da, dampfend – und wartet auf neue Ziele. Die Eisenbahn, sie wird in Suse Wächters Inszenierung des Hauptwerkes von Günther Anders zum Sinnbild für den technologischen Fortschritt. Und zum Startschuss einer Entwicklung, die den Menschen an ihrem Ende zu einem Auslaufmodell machen wird. Anders’ Text ist ein zweibändiges, starkes Stück Geistesgeschichte, eine wortreiche, pessimistische Analyse des Zustandes der Menschheit.
Die habe sich selbst in den Rang der Titanen erhoben, glaubte Anders schon 1961. Zu Geschöpfen, die sich mittels Atombombe per Knopfdruck selber auslöschen können – und auch sonst alles tut, um Grenzen zu überwinden, die sie nicht beherrschen können.
In Hamburg hat die Puppenspielerin und Regisseurin Suse Wächter mit dem Dramaturgen Christian Tschirner den komplexen philosophischen Text in eine beeindruckende Bilder- und Klang-Collage verwandelt. Der Zug rast auf der Probe mit Hochgeschwindigkeit durch das 20. Jahrhundert. Mit an Bord ist ein Kinderchor, der sich in eine Horde Indianer verwandeln kann – oder in eine Herde Schafe, die vergeblich ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Alexander Kohlmann
Ziemliches Pech für Amir Kapoor. Gerade noch ein aufstrebender Staranwalt in New York, der sich 600-Dollar-Hemden kauft und seine Mitarbeiter auch am Wochenende zusammenfaltet, wenn sie nicht sofort zurückrufen, doch keine drei Szenen weiter liegen Karriere und Privates in Trümmern. Job weg, Frau weg, Wohnung weg. Und alles nur, weil er seinem Neffen Hussein einen...
Ort
Eine geräumige Wohnung an der Upper East Side in New York.
Zeit
2011 bis 2012.
Die ersten beiden Szenen spielen im Spätsommer 2011.
Die dritte Szene spielt drei Monate später im Herbst.
Die vierte Szene spielt sechs Monate später im Frühling.
Das Stück sollte ohne Pause gespielt werden
SZENE EINS
Licht.
Hohe Decken, Parkettboden, Profilleisten. Das...
Was Heiner Müllers «Horatier» gerade heute zum Terrorismus zu sagen hat
Der namenlose Kämpfer stößt dem verwundeten Gegner, der am Boden liegt und «mit schwindender Stimme» um Schonung bittet, «sein Schwert in den Hals, daß das Blut auf die Erde» fällt, er wirft sich das blutige Schlachtkleid des Getöteten über die Schulter, steckt sich dessen Waffe in den Gürtel...
