Der Betrieb übernimmt
Was ist das deutsche Stadttheater? Darauf gibt es bekanntlich viele Antworten, aber die funktionalistische geht so: Ein hocheffizienter, hocharbeitsteiliger Betrieb mit oft mehreren hundert Mitarbeitern, der es einem vergleichsweise kleinen künstlerischen Kernteam ermöglicht, jedes Jahr bis zu zwei Dutzend literarische Vorlagen in repertoirefähige Theaterabende zu verwandeln.
Ob einem das theaterästhetisch nun gefällt oder nicht – daraufhin sind die Betriebe jedenfalls optimiert, angefangen vom Stellenplan über die Bühnenarchitektur, Technik und Verwaltung bis zur Ausbildungsstruktur für die dafür erforderlichen Sonderkompetenzen als Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner, seit einiger Zeit auch für Autoren. Fluch und Segen dieser theaterbetrieblichen Spezialkompetenz ist nämlich unter anderem eine ständige Suche nach neuen Vorlagen, denn der berüchtigte Kanon aus Klassikern und modernen Standardtänzen erschöpft sich naturgemäß spätestens nach dem siebten «Hamlet» und achten Tschechow.
Nichts fällt so einem Stadttheater leichter, wenn es sich neben dem gut geölten Normalbetrieb noch ein kleines Extra leisten will, als ein Autorenwettbewerb. Man stifte einen kleinen Preis, sagen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2014
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Ich sehe: Geldautomaten (…), Hochgeschwindigkeitszüge, FKK-Strände, Kinder mit Handys, Reality-Shows auf MTV (…), Kaffee ohne Koffein / Bier ohne Alkohol / Süßes ohne Zucker / Fleisch ohne Cholesterin». So stellt sich Europa von außen dar. Aus Sicht der somalischen Olympionikin Samia, die in Carla Guimaraes’ tragikomischer Flüchtlingsgeschichte «Die unglaubliche...
Dass dem erotischen Kapital eine Schlüsselrolle bei der Erwirtschaftung sozialer (und ökonomischer) Rendite zukommt, ist spätestens seit Michel Houellebecq im breiten öffentlichen Bewusstsein angekommen. Während allerdings dessen humane «Elementarteilchen» anno 1998 an ihren marktwertmindernden Altersfalten und -speckröllchen noch in weitgehend analoger...
Ein sachliches Hoch auf die Faulheit! Müßiggang, erklärt SAP-Mitarbeiterin Corinna Bornhorst, sei beim global playenden Softwareentwickler längst zur Primärtugend geworden. Leistungsdenken und Effizienzzwänge hätten sich als Holzwege erwiesen, umso konsequenter bemühe sich das Unternehmen darum, das Leben der Mitarbeiter zu entschleunigen und die nur noch...
