Taiga en miniature
Graugriesige Gruben, ausgekohlter Kiefernwald und Steppe ringsumher. Tschechows Familie Prosorow lebt «am Fluss», hier schwärmt Werschinin (Alexander Wulke) «vom See», heute die schönste Perle der Braunkohlen-Renaturierung. Doch auch hier atmet hundert Jahre nach Tschechows Tod noch immer Provinz: Taiga en miniature. Ausstatter Tobias Wartenberg braucht nur ein flaches Podest, platziert zwischen zwei Zuschauerblöcken. Ein paar dunkle Holztische, simple Stühle dazu, deren anfangs akribische Anordnung nach und nach durcheinander gerät.
Einzig ein schillernder Kronleuchter kündet von vergangener Pracht, ein weißes Tischtuch leuchtet im Glanz des sonnigen Maientages. Zwischen Rollensituation und dem Platz am Klavier wechselnd, sorgt Tusenbach, der Baron, für die schwermütig-elegante Atmosphäre, die Vergangenes kultiviert.
Sonst gehört aller Raum den Schauspielern. Regisseur Sewan Latchinian hat seine Truppe zum Widerstand beflügelt. Nicht, dass sie sich nicht an den Sehnsuchtsschrei «Nach Moskau» klammerte, aber Hilflosigkeit schrumpft nicht zu Resignation, Jammern wird nicht zugelassen. Als wüssten sie, dass durch Anpassung, Unterwerfung, Sich-Einrichten in der Depression zum ...
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