Gegen die Gefälligkeiten!
TH Bei der letzten Sitzung der Theatertreffen-Jury kommt die Wahrheit auf den Tisch. Große Dramen, ästhetische Treueschwüre, umkämpfte Seitenwechsel, knappe Entscheidungen. Wie war es in diesem Jahr? Wie viele Stunden wurde gerungen?
Peter Laudenbach Die letzte Sitzung war erschreckend harmonisch.
Stephan Reuter Wir haben uns fast nicht gestritten.
Laudenbach Obwohl viele Inszenierungen völlig okay, aber nicht unbedingt Theatertreffen-verdächtig waren. Das macht die Entscheidung nicht unbedingt einfacher.
Reuter Aber es gab gleich bei der ersten Abstimmung mit großer Mehrheit vier oder fünf völlig unumstrittene Einladungen. Das hat schon mal sehr geholfen.
TH Was ist denn zum Beispiel eine völlig okaye Inszenierung, die nicht Theatertreffen-verdächtig ist?
Laudenbach Mehr als okay finde ich «Ein Exempel» von Lutz Hübner und Sarah Nemitz. Sie haben recherchiert, wie die seltsame sächsische Justiz mit Antifaschisten umgegangen ist: ein sehr fairer, genau beobachteter, kluger, unpolemischer Abend. Die Inszenierung hat in Dresden zu großen Diskussionen geführt, das Theater hat eine Stadtöffentlichkeit zu einem politisch wichtigen Thema hergestellt. Ich finde das vorbildlich. Es wäre ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Best of Berlin und Mülheim, Seite 30
von Eva Behrendt, Franz Wille
Am Ende hat Benjamin die Krankheit zum Tode überwunden. Der kleine Bruder, wie der 23-jährige Akin E. Sipal den Protagonisten seines zweiten Stückes nennt, muss mit der Diagnose «Blutkrebs» leben, und er tut das, soweit man mit einer derart tückischen Krankheit überhaupt leben kann. Der in Gelsenkirchen und Istanbul aufgewachsene Sipal hat mit «Santa Monica» eine...
Am 16. März starb in Basel im 89. Lebensjahr der Schauspieler Buddy Elias. Sein letzter Hauptberuf war von 1996 an die Präsidentschaft des vom Vater Anne Franks 1963 in Basel gegründeten Fonds. Nach dem Tod seines Onkels Otto Frank betrachtete der Schauspieler die Erinnerung an seine Cousine und deren Geschichte als seine zentrale Lebensaufgabe; er verstand die...
Irgendetwas stimmt nicht. Den Eindruck gewinnt man schnell bei Inszenierungen von Susanne Kennedy. Herauszufinden, woran das liegt, ist dagegen nicht so einfach. Doch genau dadurch entsteht der seltsame Sog dieser Arbeiten, mit denen die deutsche Regisseurin mit englischem Namen und Studium an der Amsterdamer Hogeschool voor de Kunsten seit einigen Jahren das...
