Spiel’s noch einmal, Sam

Reenactment als künstlerisch-performative Strategie in der Ausstellung «History Will Repeat Itself» in Dortmund und Berlin

Theater heute - Logo

Im Jahr 1968 veranstaltet eine Gruppe von Studenten einen Stafettenlauf vom Theodor-Heuss-Platz, dem Sitz der damals frisch gegründeten Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin, zum Rathaus Schöneberg. Mit einer roten Fahne in der Rechten reklamieren sie an Autos und Passanten vorbei hintereinander weg den Stadtraum. Inszeniert hatte diese Aktion der Filmer Gerd Conradts. 34 Jahre später stellte der Sohn eines der damals Beteiligten den Staffellauf unter veränderten Bedingungen in Stockholm nach.

Auf zwei Monitoren war nun Felix Gmelins stumme 12 Minutenarbeit «Farbtest, Die Rote Fahne II» nach der Venedigbiennale 2003 in der Ausstellung «History Will Repeat Itself» in Dortmund und Berlin zu sehen. Die Kuratorinnen Inken Arns und Gabriele Horn präsentierten darin mit gut zwei Dutzend Positionen künstlerische Arbeiten in verschiedenen Medien und Formaten, die das «Reenactment» als künstlerische Vorgehensweise gemeinsam haben.
   

Nachinszenieren als Erkenntnisinstrument

Neben Performance und Happening war der Begriff Reenactment in der bildenden Kunst bisher kaum geläufig. Er kommt aus der TV-Dokumentarfilmsprache. Unter Reenactments versteht man dort das historisch getreue ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2008
Rubrik: Magazin/Ausstellung, Seite 59
von Max Glauner

Vergriffen
Weitere Beiträge
An der Wertewerkbank

Das Wiener Burgtheater hat sich in zwei Großproduktionen gestürzt, riesige Textberge riefen zu ihrer Besteigung auf. Bergauf hätte es gehen sollen mit großen Debatten im Gepäck: über Väter & Söhne, Gott & Teufel, Vatermord & Vater Krieg. Aber dann sah man, schon am Fuß der Textbergriesen scheiternd, nichts als Flachlandtiroler in Nicolas Stemanns Dramatisierung von...

Zwei-Klassen-Schiffbruch

Dass die «Titanic» vor ein paar Jahrzehnten gesunken ist, war ein Glücksfall für Technik- und Beschleunigungskritiker und ist es bis heute für die Unterhaltungsindustrie. Dass im Dezember 1996 ein namenloser klappriger Flüchtlingskutter mit 300 Frauen, Männern und Kindern vor der sizilianischen Küste unterging, kann man nur noch in entlegenen Annalen nachlesen. Die...

Zumutung Liebe

Mutterliebe ist ein Konstrukt», konstatierte im «Spiegel» schnöde Elisabeth Bronfen, Expertin für Gender-Fragen – ein Kommentar von vielen, in der Regel erheblich rührseligeren zum Thema Kindsmord, das nicht nur die Vermischten Seiten zur Adventszeit füllte. Acht tote Kinder in Darry und Plauen, von den eigenen Müttern getötet, im Wahn, aus sozialer Verwahrlosung,...