Thüringer Tristesse
Es geht los mit einer Diashow (Kinderurlaubsbilder an der Ostsee) über einem Plateau von etlichen Tischen mit Tischdecken von vor dreißig Jahren, entsprechende Musik dazu. Doch der Retro-Dreh (Ausstattung Tom Musch) hat seinen Haken. Nie weiß man in dieser Inszenierung, wo sie zeitlich verortet ist und wessen Erinnerungsimagination hier auf dem Spiel steht.
«Hafen der Sehnsucht» ist ein Stück, das sich Armin Petras in erster Linie für eine Gastregie am Stary Teatr Krakau letztes Jahr schrieb, wo das Stück freilich mit der in Polen sehr bekannten Vorlage, Marek Hlaskos Erzählung «Der achte Tag der Woche», auf überraschend gegenwärtige Weise korrespondierte (vgl. TH 2/06). Dieser Kontext fehlt hier, und so versucht die Regie Uta Koschels auch eine etwas andere, in die deutsche Provinz verlegte Geschichte zu erzählen, nämlich die des Ausbruchs der Studentin Agnes aus ihrem familiären Milieu.
Der Vater ist ein arbeitsloser Sportlehrer (Rayk Gaida), die Mutter eine resignierte Küchenexistenz (Verena Blankenburg), der Bruder ein früh Gescheiterter (mit das Retroambiente störenden Dreadlocks – Gabriel Kemmether), der Freund ein wenig sensibler Bursche mit Knastvergangenheit (Oliver ...
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