Vier Autoren suchen ein Stück

Gian Maria Cervo, Marius von Mayenburg, Albert Ostermaier, Rafael Spregelburd «Call me god»

Theater heute - Logo

Es beginnt mit einem Hochgeschwindigkeitsmonolog aus bunt, aber nicht absichtslos zusammengewürfelten Gedankensplittern, aufgelesen wohl bei einem Bummel durchs Münchner Museumsviertel, Namedropping à la Katalog oder was einem kunstinteressierten Auftragsautor beim Spazierengehen durch die fremde Gaststadt eben so ins Auge fällt. Da ist Cy Twomblys grandioser Lepanto-Zyklus (eine leuchtende Farbschlacht in zwölf Bildern, anspielend auf den blutigen Überraschungssieg der Venezianer über die Türken anno 1571 und gemalt wenige Monate vor dem 11.

September 2001) oder Olaf Nicolais «Escalier du Chant», politische Gesänge, eigens komponiert für die große Treppe im Foyer der Pinakothek der Moderne, oder auch mal ein Nachrichtenbild von der Selbstverbrennung eines griechischen Unternehmers in Thessaloniki – alles mehr oder weniger beabsichtigte Kollisionen von Ästhetik und Politik, das Ganze gemixt in die alltäglichen Seinszweifel eines prekär beschäftigten Kreativen.

Was dann folgt, ist dagegen auffallend unverkopft in seiner unverhohlen auf die mediale Sensationsgier fixierten Schnoddrigkeit: Ein international hochkarätig besetztes Autorenquartett, bestehend aus dem Italiener Gian Maria ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2013
Rubrik: Chronik: München Residenztheater, Seite 51
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Theatertreffen 2013

Sieben tapfere Kritikerlein haben wieder einmal Wind und Wetter, der Bundesbahn
und manchem Stau getrotzt, um pünktlich für das 50. Theatertreffen (Jubiläum – Traraa, Traraaaa!) die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen des Bemessungszeitraums (Februar 2012 bis Januar ’13) zu küren. Die zehn Unwiderstehlichen, in alphabetischer Reihenfolge:

«Disabled Theater» von...

Keiner ist vor dem Verrecken gefeit

Am Schauspiel Köln hat es die schöne Helena in die Untiefen der TV-Unterhaltung verschlagen. Es läuft bein­harter Nachmittagstalk, Thema: «Ich Opfer». Der Zankapfel des Trojanischen Krieges – Helena war Paris ja mehr oder weniger freiwillig, aber definitiv ehebrechend nach Troja gefolgt, was ihren Gatten Menelaos zum Feldzug veranlasste – treibt die ortsansässigen...

Trauma und Ehre

«Minna von Barnhelm» ist gleichsam eine knappe (einen Tag währende) psychoanalytische Kur, die das sächsische Edelfräulein am widerstrebenden Major Tellheim praktiziert: Was hat es denn mit dessen Kriegs-Traumatisierungen wirklich auf sich, wie sehr ist er «verkrüppelt», ein «Bett­ler», «unglücklich», und ist es denn wahr, dass «ein Unglücklicher gar nichts lieben...