Kunst und Handel
Helmut Krausser ist ein Vielschreiber mit Furor und einer oft übersehenen sentimentalen Ader. In «Afrika» schildert er die Kunstszene als das kapitalistische Prinzip schlechthin: Künstler sind hier die Anschaffer, die Welt macht sie käuflich, und alle, fast alle, machen mit.
Im Mittelpunkt steht die zynische Lucy, Mitte 50, im Begriff, ihre Galerie an einem neuen Ort wieder zu eröffnen. Um sie gruppieren sich «ihre» Künstler: Philip, zwischen anerkannt und zu niedrig gehandelt; er liebt Lucy, sie beschimpft ihn, weil er verkauft. Und damit ihre Galerie über Wasser hält.
Jacques kommt nie zum Arbeiten und will sein Künstlertum durch größtmögliche Exaltiertheit zum Ausdruck bringen.
Janine, kunstgewerblich angehaucht, soll aus der Galerie fliegen und fühlt sich aufgrund von Geschlecht und Alter diskriminiert. Dazu kommt eine jugendliche Sprayerin, die den «Eingeweihten» die Möglichkeit gibt, ihr stellvertretend für die Zuschauer die Wunderlichkeiten und Zynismen ihrer Welt nahe zu bringen. Und zwei Kunstkritiker, die sich, natürlich, hassen; der eine ist zudem ungeniert käuflich. Den potenten Kunden (natürlich neureich und ohne Kunstverstand) bringt er gleich mit.
Die Vernissage endet ...
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Streng genommen dürfte das neue Stück von Elfriede Jelinek natürlich nicht «Über Tiere» heißen, sondern «Wie die Tiere», schließlich geht es um Menschen. Andererseits gibt es «Wie die Tiere» schon, so heißt der vorletzte Brenner-Krimi von Wolf Haas, und die bekennende Haas-Verehrerin Jelinek kennt ihn natürlich. Es geht dabei um einen Hundemörder im Wiener...
Den Begriff «linke Kunst» benutzt eigentlich niemand mehr. Obwohl sicherlich die meisten Theaterleute, Künstler, aber auch Kulturjournalisten mit einer Westsozialisation in den 70ern und 80ern auf Brokdorf- oder Startbahn-West-Demos waren, sich die Köpfe über die RAF heißreden konnten und Teile ihres Bafögs auf das «Waffen für El Salvador»-Konto der «taz» gespendet...
Wenn man den Punk immer nur so aus geschützten Zuschauerrängen mitbekommen hat oder in den Disconächten besetzter Häuser oder als Erster-Mai-Demonstrations-Touristin in Kreuzberg, fragt man sich ja schon ab und zu ein bisschen, worin denn da wirklich der Reiz besteht. Auch der intellektuelle. Ob sich im Punk Debatten nicht einfach Luft machen oder irgendwann in...
