Wenn Kunst zu viel Arbeit macht
Unter Tage wird geschuftet. Nähmaschinen rattern, Zuschneideapparate kreischen, Ventilatoren surren, und aus dem fensterlosen Lagerhintergrund dringen diffuse Dröhn- und Stampfgeräusche. Neonröhren und vergitterte Fernsehbildschirme, über die der tschechische Trickfilm «Der kleine Maulwurf» flackert, spenden fahles Licht, zwischen Tischen und Raumteilern, Bleichbecken und Kisten voller Stoffballen und Garnrollen quetschen sich Maulwurfsmenschen an die Maschinen, vor allem: Kinder.
Sie vernähen Hosenbeine, färben Jeansstoffe, schlafen und kuscheln zwischendurch mit dem Hund, während ab und zu eine fette Ladung Theaternebel durch den Fabrikkeller dampft: Es gibt sie noch, die gute alte Manufakturarbeit. Ob es aber in den Sweatshops zwischen Rumänien und Bangladesch auch so romantisch-versifft zugeht wie auf der Bühne des Hamburger Thalia Theaters?
Mit dieser starken Szenerie eröffnet der ungarische Film- und Bühnenregisseur Kornel Mundruczo seine Inszenierung von Gerhart Hauptmanns «Die Weber». Jörg Pohl als Figurenmischung aus dem Weber Bäcker und Revolutionär Moritz Jäger tritt an die Rampe und bietet die gerade fertig genähte Jeans heiß von der Nadel der ersten Zuschauerreihe ...
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Theater heute Juli 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Eva Behrendt
Als Tankred Dorst schon fast 90 Jahre alt war, 2014, sagte er ganz nebenbei Abschließendes zu jedem überflüssigen Streit über Schauspieltheater oder Performance: «Als ich anfing, Stücke zu schreiben, zu Beginn der 60er Jahre, waren die Grenzen der Darstellung viel enger. Wenn ich mich dagegen heute umschaue, dann sehe ich eine hohe Qualität in einem freien Umgang,...
Ich möchte im Folgenden einige dringliche, bruchstückhafte und unfertige Gedanken über unsere globale Gegenwart mit Ihnen teilen; darüber, was unsere heutige Zeit im Kern ausmacht; was diesen eigentümlichen Moment, den unsere Welt derzeit durchlebt, beschreibt. Da es letztlich auch darum geht, unserer Zeit einen Namen zu geben, erlaube ich mir zu behaupten, dass...
Am Anfang ist das Wort, das Wort hat große Buchstaben, und es heißt: AFFEKT. Gefühlte fünf Minuten lang rauschen Spinoza, Deleuze et altera in Druckbuchstaben übers weiße Feld und klären auf, was unter Affekt zu verstehen sei: das Unkontrollierbare, das den Körper unmittelbar ergreift, Furcht, Ekel, Liebe, Eifersucht ... Man darf diese akademische Einführung in...
