Schwere und leichte Zeichenspiele
Ein sachliches Hoch auf die Faulheit! Müßiggang, erklärt SAP-Mitarbeiterin Corinna Bornhorst, sei beim global playenden Softwareentwickler längst zur Primärtugend geworden. Leistungsdenken und Effizienzzwänge hätten sich als Holzwege erwiesen, umso konsequenter bemühe sich das Unternehmen darum, das Leben der Mitarbeiter zu entschleunigen und die nur noch spärlichen Arbeitsstunden dem Dienst am Gemeinwohl zu verpflichten. Dazu wirft eine Zeichnerin mit flinker Hand Skizzen an die abwaschbare Wand: Das Analoge hat längst wieder Konjunktur im Digitalen.
Die größte Überraschung in Barbara Ehnes’ Mini-Performance im flauschigen Snoozleraum irgendwo in den endlosen Weiten des SAP-Stammsitzes Walldorf ist allerdings, dass es sich tatsächlich um Theater handelt. Ohne weiteres hätte ich der Seminarleiterin im rosa Kostümchen geglaubt, dass SAP schon heute – und nicht erst 2029, wie sich am Ende des Kurzvortrags herausstellt – auf die Verbindung von Kapitalismus und guten alten Hippiewerten setzt, so wie schon seit Jahren nicht nur Social-Media-Produkte, sondern auch die gleichsam zugehörigen Entspannungstechniken à la MBSR (Mindfulness-based Stress Reduction, kurz Achtsamkeitstraining) ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Festivals/Aufführungen, Seite 11
von Eva Behrendt
Erste Szene.
Ungebetene Gäste
Ein großes Zimmer, vom Boden bis zur Decke und von der Wand bis zum Fenster vollgestopft mit allem möglichen Krempel. Hinten links ist der Flur mit einem großen Kleiderschrank und der Wohnungstür zu sehen. Rechts ein Fenster mit zugezogenen Vorhängen, weiter hinten die Tür zum Nachbarzimmer. Bücherregale, aufeinandergestellte...
Anfangsstation: Bahnhof, Ort der Unruhe, des Aufbruchs und Durchgangs. Im Bochumer Schauspielhaus bleibt auf weitgehend leerer Bühnenfläche, über die Raimund Bauer nichts als eine Lichtbrücken-Installation hängt, die Drehscheibe der konkrete und metaphorische Ort des Karl Siebrecht. Der 16-Jährige kommt, mutterseelenallein, aus der Uckermark ins Berlin der späten...
Was ist das deutsche Stadttheater? Darauf gibt es bekanntlich viele Antworten, aber die funktionalistische geht so: Ein hocheffizienter, hocharbeitsteiliger Betrieb mit oft mehreren hundert Mitarbeitern, der es einem vergleichsweise kleinen künstlerischen Kernteam ermöglicht, jedes Jahr bis zu zwei Dutzend literarische Vorlagen in repertoirefähige Theaterabende zu...
