Politische Fragen
Sollte man nicht auf die Popularität rechtsextremer Parteien in Deutschland in den Spielplänen der öffentlichen Theater reagieren? Sollte man nicht an Zeit und Umstände des aufkommenden Nationalsozialismus in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts erinnern? Und was wäre dafür geeigneter als beispielsweise eine Bühnenfassung von Luchino Viscontis Monumentaldrama «Die Verdammten» von 1968 um die Selbstzerfleischung einer Dynastie von Ruhrbaronen und Waffenschmieden, die sich den Nazis erst angedient haben und dann von ihnen zerlegt wurden? Kapitalismus und Faschismus im mörderis
chen Gleichschritt – was soll da schiefgehen?
Aufstieg und Fall derer zu Essenbeck, locker nachgestrickt der Krupp-Familiensaga, verschränkt drei Ebenen: das Psychogramm eines in Intrigen, Karrieren und emotionalen Abhängigkeiten verstrickten Industriellen-Clans, Hitlers gewaltsamen Aufstieg mit Reichstagsbrand und SA-Massaker sowie einen nicht ganz unspannenden Wirtschaftskrimi über die Abhängigkeiten von Politik und Waffengeschäft. Dabei ist das eine vom anderen nicht zu trennen, was die Zuständigkeiten etwas vermischt: Ist der Aufstieg des Faschismus ein Problem der Essenbeckschen ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Franz Wille
Burkhard C. Kosminski macht gerne Hausbesuche. Schon ein gutes Dutzend Mal war der Schauspielintendant seit Amtsantritt zu Gast bei Stuttgartern. Kosminski hört gerne zu, und er redet gerne. Jeder kann ihn einladen. Einzige Bedingungen: 8–20 Leute. Essen und Trinken. Und es wird nicht über vormalige Stuttgarter Intendanten geschimpft.
Überhaupt wirkt der «Neue»...
Russland lebt nicht nur für sich selbst, sondern für einen Gedanken, und du musst die bemerkenswerte Tatsache zugeben, dass Russland nun beinahe seit einem Jahrhundert nicht nur für sich lebt, sondern ausschließlich für Europa», reibt Werssilow alias Peter Miklusz seiner Geliebten, der extrem russisch aussehenden Gaunerin Alphonsine, unter die Nase. Der verarmte...
Franz Wille Das war ein sehr turbulenter Sommer für die Ruhrtriennale und für Sie. Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» hat nach der letzten Aufsichtsratssitzung im Oktober getitelt: «Carp bleibt». Stand Ihr Vertrag als Intendantin nach den Turbulenzen um das Gastspiel der Gruppe Young Fathers und deren BDS-Sympathien tatsächlich zur Disposition?
Stefanie Carp...
