Tosende Stille
«Zwei Jahre klingen lassen.»
Dies möchte der Schweizer Schlagzeuger und Komponist Fritz Hauser immer mal wieder in seine Partitur schreiben, wenn es um einen abschließenden Gong- oder Beckenschlag geht. Wer Hauser kennt, weiß, wie er zu dieser Vorstellung kommt. Wer ihn nicht kennt, erfährt durch diesen eigentümlichen Wunsch einiges über Hausers Wesen. Er hat als Klangkünstler in Jahrzehnten seiner Tätigkeit immer das Unmögliche gesucht – und oft auch gefunden.
Konventionelles oder effekthascherisches Trommeln ist ihm fremd, er forscht an den Rändern, in den Zwischenräumen. Als Mensch mit feinstem Gehör versucht er, die klanglichen Welten auszuloten, die sich hinter all dem Soundgewitter befinden, dem wir täglich ausgesetzt sind oder uns selbst aussetzen in einer Welt von Kopfhörern und komprimierten Musik-Dateiformaten.
Allerdings gibt es kaum etwas, was ihn klanglich nicht inspiriert. Darin ähnelt er dem Individualisten John Cage, der noch für ihn komponiert hat. Hauser ist im besten Sinne auch ein Exorzist. Den Lärm, der ihn umgibt, kann er schon mal mit selbst produziertem Krach austreiben – oder, was letztlich viel erstaunlicher ist, mit tosender Stille. Viele Elemente ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2019
Rubrik: Künstler Positionen, Seite 26
von Barbara Frey
Als ich für mein Studium von Salzburg Land nach Hamburg zog, hatte mein Kulturschock Ausmaße einer schwindelerregenden Identitätskrise, die mich in eine depressive Dauerverwirrung stürzte. Den einen kulturellen Unterschied, den das 18-jährige Bauernmädchen, das ich war, aber sehr klar sehen und sofort freudig wertschätzen konnte, war die Qualität der...
Einer der Gründe, warum die Volksbühne des Vierteljahrhundertintendanten Frank Castorf bei ihren Fans Ewigkeitsrechte genoss, war und ist: P14. Der Jugendclub des Hauses hat sich seit seiner Gründung 1993 den Ruf erworben, die eigenwilligste, autonomste, unpädagogischste, unverschämt beste Talenteschmiede unter der Sonne zu sein. Mindestens. Bei P14 hatte man die...
Zwei Jahrhunderte, eine historisch verbürgte Wissenschaftlerin, ein Puppenspiel, eine Alpensage und eine düstere Vision der nahen Zukunft prallen in Martina Clavadetschers neuem Stück «Frau Ada denkt Unerhörtes» aufeinander. Die Schweizer Autorin koppelt die Lebensgeschichte der ersten Programmiererin, Ada Lovelace, mit einer in der Zukunft spielenden Parabel über...
