Der japanische Standard
Die Nishi Sugamo Arts Factory war einmal eine Schule. In einem Klassenzimmer bewohnen Chiaki Soma und ihr kleines Team ein Gemeinschaftsbüro, das farbenfroh, überfüllt, lebendig und sehr strukturiert wirkt. Die Bühne in der Nishi Sugamo Arts Factory ist eine der Hauptspielstätten des Festival Tokyo.
Vor einem Jahr führte der bildende Künstler und Regisseur Norimizu Ameya die Zuschauer durch alle Räume der ehemaligen Schule, in denen in lebenden Installationen ein Gedenken an Fukushima thematisiert wurde; ein Jahr zuvor führte derselbe Künstler die Besucher auf den engen Straßen hinter der Nishi Sugamo Art Factory in verschiedene alte Holzhäuser, in denen eine Erinnerung oder ein erinnernder Geist hauste als Klang oder anders materialisierte Anwesenheit. Dieses Jahr hat der bildende Künstler Tsujoshi Ozawa den gesamten Bühnenraum des Metropolitan in eine theatrale Ausstellung des Textes «Prolog» zu «Kein Licht» von Elfriede Jelinek verwandelt. Man liest den Text als Teil visueller Objekte, in Bildern, Skulpturen, Videoinstallationen. Weitere Spielstätten des Festivals sind die städtischen Theater, vor allem das Metropolitan Art Centre im Stadtteil Ikebukero, ein moderner ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Akteure, Seite 41
von Stephanie Carp
Er heißt Harry und ist einer jener Helden, denen alles misslingt und die trotzdem ganz optimistisch wirken. Seine Frau starb vor Kurzem an Krebs, die Tochter zieht sich zunehmend zurück, und es sieht so aus, als wolle sie dem Großpapa den Enkel vorenthalten. Warum das so ist, erfahren wir etwas später: Die Tochter leidet an Depressionen und gab ihr Kind fürsorglich...
Der trüb angelaufene Betonquader von Bühnenbildner Jörg Kiefel ist schon grandios: Er könnte in irgendeiner arabischen Diktatur stehen, mitten in der Wüste oder auch im Stadtbild von Köln. Von oben hat man freie Sicht, unten entsteht so ein finsterer Zivilisations-Unort. Tonnen von Sand im Depot 1 im Carlswerk drumherum stauben schön, wenn die Bürger Bethuliens...
Die Schüler kommen aus verschiedenen Ländern Schwarzafrikas und des Maghreb, aus China und der Pariser Banlieue, wo sie zusammen zur Schule gehen. Ihre Eltern sprechen oft kein Französisch; einige leben hier illegal. Sie haben ein feines Gespür für die offenen und versteckten Überlegenheitsgefühle ihrer Lehrkräfte und wissen genau, dass ihre Aufstiegschancen...
