Geschichte von unten
Kinder sind bekanntlich ein gelehriger Spiegel ihrer Umgebung. Ihre Fähigkeit zur Anpassung, selbst an die brutalsten Verhältnisse, ist gleichzeitig Überlebensstrategie und Verhängnis, wobei die Frage, ob etwas nützlich oder schädlich ist, notgedrungen der Unterscheidung, ob richtig oder falsch, vorangestellt wird. Dass ausgerechnet in Schwaben und Württemberg noch bis ins 20. Jahrhundert hinein Kinderarbeit in großem Stil betrieben wurde, weiß man spätestens durch Jo Baiers herzerschütterndes Fernsehdrama «Schwabenkinder» aus dem Jahr 2003: Seit dem 18.
Jahrhundert zogen jedes Frühjahr Hunderte von kleinen Wanderarbeitern auf beschwerlichen Wegen übers Gebirge, um sich auf den Kindermärkten in Ravensburg oder Wangen an reiche Bauern zu verdingen. Ein hungriger Esser weniger am Tisch und dafür auch noch Geld in der Haushaltskasse – für die verarmten Familien aus den Tiroler Bergtälern war der Verkauf der Kinder oft die einzige Möglichkeit zu überleben, für die florierende schwäbische Landwirtschaft eine willkommene Quelle billiger Arbeitskräfte und – aus heutiger Sicht – ein Stoff für kernig-sozialkritische Geschichtsbewältigung im ambitionierten History-Format.
Nicht so im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Inzwischen hat auch Kaiser Franz bemerkt, dass etwas nicht stimmt. «Beim Fußball halten zu viele die Hand auf», hat Beckenbauer messerscharf erkannt. Alle seien verwickelt. Manager, Trainer, Präsidenten, Politiker: «Man sollte über die Grenze des Geldverdienens reden.» Er muss es ja wissen. Franz Beckenbauer verkörpert schließlich den deutschen Fußball in seiner...
Theater heuteWir haben hier um den Tisch vier Theater- und Festivalleiter versammelt – aus Kolumbien, Russland, Pakistan und Südafrika. Sie haben 14 Tage lang auf Einladung des Goethe-Instituts die Aufführungen des diesjährigen Theatertreffens in Berlin sehen können. Wie erscheint die deutsche Theaterlandschaft dem fremden Blick? Welche Differenz nehmen Sie zum...
Wann geht das los? Jung muss man erst werden. Es kann nicht sein, dass das mit der Geburt schon beginnt. Wenn die Hebamme der Mutter ihr Neugeborenes an die Brust legt und statt: Das ist aber ein schönes Baby! sagt: Das ist aber ein junges Baby!, dann vergreift sie sich in der Wortwahl. Auch was bald danach kommt, die Kindheit, kann nicht herhalten für das, was...
