Frankfurt: Oberflächenkulte
«Zwei Uhr nachts» geht der Karriere-Streber X «noch einmal die Listen für den nächsten Tag durch». Sein Kollege Y «kloppt» unterdessen seinen «Hass auf die Welt in die Kommentarspalten von Süddeutsche, Spiegel online und Tagesschau.de». Und der aus dem Schlaf hochschreckenden Business-Frau Z dämmert plötzlich, dass es so «einfach nicht mehr weiter» geht.
Mit anderen Worten: Falk Richter hat ein neues Stück geschrieben.
Und die Thirty- bis Fortysomethings, die hier im Bockenheimer Depot des Schauspiels Frankfurt schlaflos über Katrin Hoffmanns Bühne taumeln, sind allesamt gute Bekannte. Vor allem aus Richters Vorgänger-Stück «Never Forever» an der Berliner Schaubühne. In beiden Fällen sitzen den mit hoher Youtube- und Facebook-Kompetenz ausgestatteten Zeitgenossen drei mehr oder weniger ineinander verknäulte Feindbilder im Nacken. Erstens: die tief ins Individuum hinein krakende Arbeitswelt. Zweitens: der omnipräsente Selbstoptimierungszwang. Und drittens: die digitale Realität, die die schöne alte analoge Welt auszuhöhlen droht.
An Spree wie Main äußert sich das Leiden an der (Post-)Moderne dabei gern in tanztheatralen Fallfiguren, wobei in Frankfurt nicht Regine Zimmermann, ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Chronik, Seite 47
von Christine Wahl
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