Hier gedeiht nichts mehr
«Tsunami» war das Schlagwort zur Beschreibung der Finanzkrise. Es sollte glauben machen, dass uns die Katastrophe wie eine Naturgewalt überrollt habe, unkontrollierbar, unabsehbar. Inzwischen weiß man, dass es so nicht war – und macht trotzdem fröhlich weiter: Meister der Verdrängung, hochgradig ignorant und fatalistisch. In dieser Hinsicht sind Karin Henkels Kirschgarten-Bewohner am Schauspiel Köln das Personal der Stunde.
Henkel appelliert nicht mit poetisch melancholischen Bildern des Untergangs an das Mitleid des Zuschauers, sondern bringt die Komödie mit Slapstick, Zeitraffer und einem ausgezeichneten Ensemble zum bösen Funkeln. Erwartungen an einen Kölner «Kirschgarten», der sich auf die kommunalpolitische Spardiskussion um das Schauspiel bezieht, erfüllt Henkel damit nicht. Politisch wird es trotzdem.
Braune Erde bedeckt den Boden des mächtigen, düsteren Raums, nur ein kleines, zir-
kusartiges Podest dreht sich langsam in seiner Mitte (Bühne: Kathrin Frosch). Hier gedeiht nichts mehr. «Mit dem Gut ist es längst aus», wird Trofimow später sagen. Doch die Feiertruppe, die jubelnd in diese Manege prescht, sieht das Offensichtliche nicht. Hauptsache gute Laune!, scheint ihr ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Nathalie Bloch
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