Gib dem Alten Zucker!
Ein Stück Zucker genügt, um den Kleinbürger aus der Fassung zu bringen. «Ihr habt wieder Würfelzucker gekauft?», schimpft der alte Bessemjonow (Martin Schwab), kaum dass er die Szene betreten hat. «Würfelzucker wiegt mehr und ist nicht süß genug. Also ist es Unsinn, ihn zu kaufen.» Dabei hat der gute Mann weiß Gott auch andere Sorgen.
Sohn Pjotr (Dietmar König) ist wegen revolutionärer Umtriebe von der Uni geflogen und hängt ständig bei der lustigen Witwe Jelena (Myriam Schröder) aus dem ersten Stock herum; Tochter Tatjana (Christiane von Poelnitz) hat noch immer keinen Mann gefunden und verbreitet schlechte Stimmung; Kostgänger Teterew (Joachim Meyerhoff) nervt mit besserwisserischen Tiraden; Ziehsohn Nil (Christian Nickel) will das Dienstmädchen Polja (Mareike Sedl) heiraten, ohne Papa etwas davon gesagt zu haben.
Der Vogelhändler Pertschichin, der als eine Art Clown durch das Stück geistert (und natürlich von Urs Hefti, dem Spezialisten für schräge Vögel, gespielt wird), bringt es auf den Punkt: «Gäb’s keine Alten, gäb’s auch keine Dummheit!» Maxim Gorkis erstes Stück (uraufgeführt 1902) handelt vom Generationskonflikt: Die Alten verstehen die Jungen nicht mehr, die Jungen ...
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Eigentlich ist das ja Etikettenschwindel: Da wird im Programmheft die Uraufführung der Frank-Günther-Übersetzung von «Heinrich V.» angekündigt, und dann lässt die Strichfassung davon außer den erzählerischen Passagen des Chorus fast nichts übrig. Reklamieren will man trotzdem nicht, denn das Ganze fügt sich bemerkenswert schlüssig ein in eine Aufführung, die...
Mann trifft Frau, Frau trifft Mann. Paar Blicke hin, paar Blicke her, alles klar, du bists, wir sinds. Für heute, für morgen. Vielleicht für ewig und drei Tage. So muss sich das zugetragen haben, einst, als ein paar Blumenkinder die Liebe befreiten und ein Signal der Brunftbereitschaft selten verpasst oder missdeutet wurde. Muss lange her sein. Jedenfalls bevor Jon...
Ganz am Schluss heißt es plötzlich im Programmheft: «ja / ja / ja / ja / ja / jajaja / ja / ja / ja / ja / ja / ja / jaaa / mein Gott / ist das geil». Der Titel des Gedichts (bitte laut lesen): «Im Bett», der Autor: Rainald Goetz. Dass diese rundum begeisterten Zeilen der deutschen Popdichterikone, dass diese nackte Affirmation hinter Max Frisch, Sigmund Freud,...
