Bombe im Wohnzimmer
Wirklich schön, mal wieder einen Mrozek auf der Bühne zu sehen. Immer noch fabelhaft, mit welch schwarzhumoriger Leichtigkeit der im August vergangenen Jahres verstorbene polnische Dramatiker der verschroben-verlogenen Gesellschaft die Leviten gelesen hat. In «Tango» aus den 60er Jahren trifft es die mehr schlecht als recht situierte bürgerliche Klasse, der Mrozek ihr verqueres Weltbild vor die staunenden Augen hält.
Er dreht die Vorzeichen einfach um, macht aus den biederen Eltern aufmüpfige Aussteiger, aus dem Sohn, der ja nach den Gesetzen des Generationskonfliktes eigentlich gegen das Estabishment zu revoltieren hätte, macht er einen angepassten Aufsteiger. So entsteht köstliche Verwirrnis: Die festgefügten Werte bröckeln, die standhafte Moral purzelt, und die Tragödie wird zur Farce.
In Rudolstadt sieht man ein an sich gediegenes Wohnzimmer, in das allerdings die Bombe eingeschlagen ist. Chaos allüberall, und irgendwie schaut es im ganzen Raum so aus wie bei Hempels nur hinterm Sofa. Vater, Mutter, Oma und Onkel suhlen sich in ihrem Nonkonformismus, nur Sohn Artur ist gehörig aus der Art geschlagen. Er kriegt die Krise, wenn er sieht, wie seine Mischpoke die lebensfrohe ...
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Theater heute April 2014
Rubrik: Chronik Rudolstadt Theater, Seite 59
von Bernd Noack
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