Absolutes Vertrauen

Mit Barbara Kisseler ist eine bewundernswerte Kulturpolitikerin gestorben

Theater heute - Logo

Schlimme Nachrichten kommen, wenn sie kommen, vollkommen unabhängig davon, ob der Empfänger für sie bereit ist – zum Beispiel direkt nach einem unendlich langen Flug in Fuhlsbüttel, mitten in der Menschenmenge, als ich meine Maschinchen wieder an den Strom der Welt anschloss und mich danach traurig in eine Ecke verkroch. Zwar wussten wir alle seit langem um die Schwere der Erkrankung von Barbara Kisseler, aber wir haben bis zuletzt gegen alle medizinische Vernunft geglaubt, dass sie wiederkommen könnte.

Es war – und das erzählt einiges über Barbara Kisseler – nicht die ebenso übliche wie verständliche Weigerung der Zurückbleibenden, den Tod zu akzeptieren. Und es war auch nicht der Narzissmus der Kulturschaffenden, die Angst haben, ihre Dienstherrin zu verlieren. Nein, Barbara Kisseler war als Politikerin wie auch als Mensch eine Lichtgestalt, die Realitäten immer wieder mit viel Optimismus umspielte.

So schaffte sie im Sinne der Kultur viel mehr, als die budgetäre Faktenlage hergab. Vielleicht wäre es ja doch denkbar, dass sie mit ihrer Energie auch den medizinischen Realitäten ein Schnippchen schlägt. Sie hat fest daran geglaubt und viele mit ihr. Und tatsächlich: Noch vor ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2016
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Joachim Lux

Weitere Beiträge
Formen des Widerstands

Im schlaffen Zürcher Luxus scheint keinen wirklich etwas umzutreiben. Dagegen hat das Programm des Theaterspektakels einen Aggregatzustand von Dringlichkeit, auch wenn man das im Tableau aus Wiese, See, Spätsommerlicht und Restaurantbuden nicht gleich bemerkt. Es findet in der Roten Fabrik, einer Werfthalle und in temporären Architekturen statt und ist seit seiner...

Wendebetrachtung für Fortgeschrittene

Besonders alt wurde die DDR ja – aus guten Gründen – nicht. Und ihre vier Jahrzehnte überbordend spektakulär zu finden, wäre ein ziemlicher Euphemismus. In der Saison 89/90 allerdings – beim Endspiel – hat sich die kleine Diktatur tatsächlich noch mal ordentlich ins Zeug gelegt. Todesmutige Montagsdemonstrationen, der Mauerfall, Helmut Kohls vorweihnachtliche...

Rasender Stillstand

Die Tat ist der Traum: Neun Schauspieler stehen an der Rampe mit Büchern in der Hand und lesen, nein: schreien, wüten, trampeln die Zentral-Episode von Dostojewskis Roman «Verbrechen und Strafe» aus ihren Körpern heraus, den «Traum vom Pferdchen und der Peitsche», deren Text derweil hinten auf der Leinwand abläuft. Eine ge­schla­gene Viertelstunde lang steigert...