Alles am Fluss
Schiffbar ist die Oker ja eher nicht. Ruder-, Paddel- und Tretboote – das ist das Maximum an Wasser-Kunst. Einen künstlichen Sandstrand gibt’s in einem früheren Fluss-Schwimmbad: die «Okercabana». Immerhin aber teilt sich das Flüsschen im Braunschweiger Bürgerpark und schließt von dort den Kern der alten Fürstenstadt ein wie eine Art Insel; der östliche Arm fließt direkt hinter dem Theater vorbei. Von den Höhen des Harzes herab bringt die Oker gut 100 Kilometer hinter sich bis zur Mündung in die Aller.
Die wiederum mündet bekanntlich in die Weser; und erst mit der wird das erreicht, was das Theater der Stadt jetzt zum Motto erkoren und lauthals ausgerufen hat: das Meer. «Braunschweig liegt am Meer» – diese vier Worte prangen am Eingangsportal des örtlichen Staatstheaters, dessen repräsentatives Haupthaus Mitte des 19. Jahrhundertswie ein mächtiger Tanker ins Stadtbild geklotzt wurde.
Denn immer mal wieder lag ja bekanntlich nicht Braunschweig, aber «Böhmen am Meer» – vor allem im «Wintermärchen» von William Shakespeare, dann in der deutschsprachigen Literatur auch bei Ingeborg Bach-mann, Franz Fühmann, Hans Magnus Enzensberger und Volker Braun, der in direkter Antwort auf die ...
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Theater heute März 2018
Rubrik: Start, Seite 44
von Michael Laages
Im Anfang war das Wort. Und das Bild. Und sonst auch noch vieles. In Stuttgarter Schauspielhaus hat Kay Voges, hauptberuflich Intendant des Dortmunder Schauspiels, zur Messe geladen. Mit Weihrauchduft lotst er die Besucher in die heiligen Hallen des Theaters, an dessen Decke und Seitenwänden im Zuschauerraum viele kleine rote Lämpchen leuchten. Schummrige Stimmung,...
So sieht also ein internationaler Strafgerichtshof aus. Der Angeklagte sitzt ein. Und zwar in einer Art Kiste auf vier dünnen Beinchen in der Bühnenmitte, wo er sich und seinen behaarten Bauch mit traurigen Kulleraugen vor einer Kamera räkelt. Um die Kiste herum in respektvollem Abstand nichts weiter als barock kurvende Tapetenwände, auf die die Kameraprojektion...
Im schönsten alpinen Hochtal der Schweiz, im Engadin, hört man im Zug, wie weit der Schutz der Minderheiten gehen kann. Die Haltestellen der Rhätischen Bahn werden nicht nur Deutsch und Englisch, sondern auch Rätoromanisch angesagt, Letzteres in verschiedenen Regiolekten. «Fermada sin Dümonda» oder «sin Dumanda»: «Halt auf Verlangen» einmal in Scuol und einmal ab...
