Alter Slawe!
Nein, «der Frank» habe damit nichts zu tun, meint Hendrik Arnst alias Jaroslaw Iljitsch alias typischer russischer Kleinbürger voll bauernschlauer Schlitzohrigkeit ganz zum Schluss. Der Frank sei ein alter Mann und sowieso seit drei Jahren in Bayreuth, wo die Opern-Welt im Sommer Castorfs «Ring» erwartet.
Ganz so unbeteiligt wird Frank Castorf an seiner jüngsten Dostojewski-Inszenierung in der Berliner Volksbühne aber nicht gewesen sein, wo er seine eingeschränkte Berliner Schaffenskraft nach fünf großen Romanen jetzt der frühen Erzählung «Die Wirtin» widmete.
Dostojewski war 24 Jahre alt, als er 1847 die krude Dreiecksgeschichte um eine schöne junge Frau geschrieben hat, die zwischen zwei Männern steht: dem aufgeklärten jungen Wissenschaftler Ordynoff, der sich zum ersten Mal verliebt, und dem altrussischen Gauner, Mörder und Mystiker Murin, der die schöne Katerina erst raubt und dann wie eine Gefangene hält. Unnötig zu sagen, wie die Sache bei dem überzeugt slawophilen Dostojewski ausgeht. Der verklemmte Westler hat keine Chance, weil die wahre Russin ihr Gefängnis liebt und der echte Orthodoxe viel klüger ist als alle angeblichen Intellektuellen. Kein Wunder, dass der ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Franz Wille
Der Ruhm der frühen Jahre hat Käthe Reichel zeitlebens nicht losgelassen. Mit 24 Jahren an Bertolt Brechts gerade entstehendes Berliner Ensemble engagiert, 1952 das Gretchen im «Urfaust», später im «Kaukasischen Kreidekreis» und «Guten Mensch von Sezuan» und wohl auch Brechts letzte Geliebte. Die kleine Frau mit der hellen Stimme und (oft) Baskenmütze umgab immer...
Am Eingang des beinahe dunklen Raumes hat sich ein Stau gebildet. Einige wollen raus, andere rein. Diese wollen, so scheint es, nicht in etwas hineingezogen werden, was sie nicht überschauen und was ihnen ganz buchstäblich unheimlich ist, jene sind sich nicht sicher, ob die sich stauende Menge Teil des Kunstwerks ist oder vielmehr dieses vor ihren Augen verdeckt....
Die Geschichte beginnt an einer tristen Currywurstbude, die Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit schönem Realismus auf die Bühne des Großen Hauses in Hannover gebaut hat. Davor lungern die üblichen Verdächtigen, unsichtbare Gestalten, die Balladensänger der Straße, deren Antlitz man sofort vergisst, wenn man ihnen doch einmal zufällig in die Augen blickt.
Alles...
