Pappnasenleben
Duftspray duftet, weil der Mensch bisweilen stinkt. Und ein Lustspiel macht sich lustig, weil der Mensch bisweilen stänkert. Nun hat das eine mit dem anderen wenig zu tun, es sei denn, Herbert Fritsch inszeniert den «Geizigen» in Luzern. Der Regisseur lässt das Parkett im Prolog mit einer WC-frisch-verdächtigen Parfümwolke einnebeln. «Viel Spaß», wünscht der Sprayer noch. Danke, davon kriegen wir mehr als genug ab.
Bekanntlich hat sich für Molières Komödie «L’Avare» ein unzutreffender Titel durchgesetzt. Geiz äußert sich bei Harpagon nicht in Enthaltsamkeit.
Sondern im Exzess. In der totalen Raffgier. Folglich verlangt Fritsch von den Figuren den fürchterlichsten Fortissimo-Verhaltenskodex, den sich ein Berliner Volksbühnenmanierist ausmalen konnte. Resultat: die permanente Reizüberflutung. Der Samtvorhang ratscht mit Getöse auf, die Fanfare schmettert, Hofmeister Valère (Jürgen Sarkiss) schwingt blonde Spagettilocken, Tochter Elises Reifrock (darin: Anna Eger) bauscht sich wie ein Lampion. Voilà, les Amoureux Nummer eins und zwo. Ihre Passion erweist sich als exaltiert gymnastisch, man sucht schließlich das Zeitalter der Ballettkomödie heim. Es beult sich Elises ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Franz Wille Herr Pierwoß, das Bremer Theater ist nur sehr knapp der Insolvenz entgangen. Wie fühlt man sich da als Generalintendant?
Klaus Pierwoß Als passionierter Bootsfahrer sage ich: Wir sind an einer tödlichen Klippe vorbeigeschrammt. Es ist nicht leicht, künstlerischer Leiter eines Unternehmens zu sein, dem das Kainszeichen der Insolvenz auf die Stirn...
Der Weg durch das neue Museum von Yad Vashem führt in einem Berg durch ein tiefes Tal. Der Architekt Moshe Safdie hat das im Querschnitt dreieckige Gebäude tatsächlich wie einen Keil in den Har Hasikaron (Berg des Gedenkens) gebaut, und die Zickzackstrecke, die man von der Machtergreifung Hitlers bis zur Ankunft der Überlebenden in Eretz Israel zurücklegt, hat...
Neuerdings sind Ibsens bürgerliche Damen ziemlich schnell mit der Knarre. Anne Tismers Nora hatte ihren Helmer vor drei Jahren an der Schaubühne so nachhaltig durchlöchert, dass er mit seinem letzten Satz im überschwappenden Aquarium landete. Susanne-Marie Wrages Hedda Gabler 2003 in Basel kugelte wie Halle Berry durchs Wohnzimmer, die Beretta nach halbem...
