Worms am Lagerfeuer
Zwerge kommen und gehen, Knaben verlieren Haupt und Leben, eisige Damen rätseln, von wem sie gerade entjungfert wurden. Hebbels «Trauerspiel in drei Abteilungen» ist passagenweise ein markiger Erzählstoff für lauschige Stunden am Lagerfeuer. Genau dort ist der urdeutsche Mythos in Heidelberg inzwischen auch angekommen. Die Recken rund um Hagen hausen im Pfadfinderlager (Bühne: Bernd Schneider). Mit einem morgendlichen Schwur an der Fahnenstange erwacht es zum Leben und wirkt nicht nur wegen der ulkig kleinwüchsigen braunen Zelte dezent rechtslastig.
Hier trällert morgens noch die Lerche und glüht das Lagerfeuer neben dem Sixpack.
Wir befinden uns am Anfang einer klug gekürzten Version der Hebbelschen «Nibelungen», in der Regisseur Martin Nimz vor allem auf Ute Baggeröhr und Jennifer Sabel als Kriem- und Brunhild setzen kann. Das ist auch notwendig. Immerhin wird die Geschichte der Burgunder erst mit dem Wormser Eifersuchtsdrama wirklich spannend. Eine Frau zu viel, ein potenter Mann zu wenig, das ist der Stoff für ein Nothung-Drama, das seinen Anfang nimmt, wenn Florian Hertweck wie ein Barbie-Männlein mit Riesenschwert auf die Bühne schlendert. Irgendwann muss dieser Siegfried die ...
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Es war einmal die Paradedisziplin von Botho Strauß: Paare in ihren nicht mehr ganz frischen Jahren, anmutig überkreuz oder nebeneinander verzwirbelt im Beziehungsdickicht der bundesdeutschen Achtziger. Saturierte Selbstbeobachter schlugen ihre vielfach gebrochenen Spiegelkabinette auf, sorgsam arrangiert vor tragisch mythischen Abgründen. Die Stücke entfalteten...
Vielleicht zur Abwechslung mal wieder ein gutes Buch lesen? Oder ein Abend im Theater?
Lustig ist Gotscheff nie, komisch nur manchmal, grotesk fast immer. Die Kategorie des menschlichen Mitleids stellt er nur zur Verfügung, wenn er Figuren inszeniert, auf die Heiner Müllers Satz «Und immer noch rasiert Woyzeck seinen Hauptmann» zutrifft.
Aus ihnen macht er Giacometti-Figuren, aber reine Opfer sind auch sie nicht, sondern in ihrem Opportunismus ein...
