Das Ich hat die Vollmacht
Endlich mal kein Abend nach Maß, sondern mit Übermaß! Im Saal dröhnen die Unmutsäußerungen: «Das ist doch kein Theater!» Zwei Drittel des Publikums verlassen die Aufführung vor der Zeit. Und das am eigentlich durch Experimentaltheater gestählten HAU2 des Hebbel-am-Ufer in Berlin!
Was war das für ein Auftakt für das 3. Nordwind-Festival: Die Ibsen-Travestie «Ein Puppenheim» vom deutsch-norwegischen Künstlerduo Ida Müller und Vegard Vinge ist ein Findling von einem Theaterabend, erratisch und befremdlich.
In einer bunten Comicwohnung verabschiedet sich das bürgerliche Identitätsdrama in Richtung Computersimulation. Die komplett aus Papier und Kartons zusammengesetzte Breitwandbühne erinnert an digitale Zweitwelten wie «Sims» oder «Papermint». Mutter, Vater, Kinder, die wir hier bei alltäglichen Verrichtungen beobachten (Pinkeln, Onanieren, Fernsehen), sind keine Charaktere, sondern Avatare (Spielfiguren), die vom Steuerpult aus beseelt scheinen.
Schnurrende Automaten
In Zeitlupe schleichen sie umher, mit grotesken Fratzen maskiert, von Sounds untermalt. Manchmal bleiben sie in einer Geste hängen oder laufen wiederholt gegen eine vermeintlich offene Tür, so als sei diese Welt ...
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Überraschenderweise hat dieser Hamburger «Baumeister Solness» sehr viel mit dem meisterhaften Wiener «Weibsteufel» zu tun, den Martin Kusej im Mai beim Berliner Theatertreffen zeigen durfte. Dieselbe klirrende Kälte zwischen den Figuren, ein schneidend-klares Licht und ein die Menschen zwanghaft auf Distanz haltendes Bühnenbild von Martin Zehetgruber: Statt auf...
Die Revolution im Theater gibt es nicht für Frey. Und auch nicht für umsonst. Das haben die Bremer Kulturverantwortlichen gerade zum wiederholten Male lernen müssen, und mit Hans-Joachim Frey besonders drastisch und teuer. Denn der Hamburger Musikmanager kam von der Dresdner Semperoper an den Goetheplatz mit dem Versprechen, die finanzielle Dauerkrise, die seinen...
Klüger und ausgewogener hätte kein Auftakt geplant werden können. Joseph Conrads Weltliteratur «Heart of the Darkness» auf der einen, das Auftragswerk an den Dramatiker Bärfuss auf der anderen Seite. Hier die Romanadaption zur Kolonialgeschichte, dort das zeitgeistige Ehedrama vor dem Hintergrund globaler Ölgeschäfte. Die Reise ins Fremde als Spiegel der eigenen...
