Der Kosakenstiefel knarrt

Ein Edeltheater-Event mit Tolstoi, ins Grüne gesetzt von Volker Schlöndorff im Schlosspark von Neuhardenberg

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Alexandra Iwanowna ist sauer. «Wo steht denn in der Bergpredigt, dass man mit Lakaien shake hands machen soll?», setzt sie ihrer kummervoll in sich zusammengesackten Schwester Marja zu, die aus nachvollziehbaren Gründen unter der Bibelexegese ihres Gatten Sarynzew leidet. Leider verkennt die nassforsche Frau Iwanowna (Naomi Krauss) das Problem aber vollständig – womit sie, um das gleich vorweg zu nehmen, an diesem Abend im idyllischen Schlosspark von Neuhardenberg nicht allein ist.

 

Denn hipnesswillige Networking-Idiome schrecken zwar das Premierenpublikum, das sich fürs Edeltheater-Event unter Volker Schlöndorffs Regie und freiem Sommerabendhimmel vorsorglich mit Chanel No. 5 und Autan narkotisiert hat, sekundenweise aus dem früh einsetzenden Schlummer auf. Aber am Zankapfel des schwesterlichen Dialogs – dem Gutsbesitzer Sarynzew aus Lew Tolstois unvollendetem, autobiografisch inspiriertem Spätdrama «Und das Licht scheint in der Finsternis» – könnte man schwerlich er­habener vorbeiplaudern als mit «shake hands».

 

Sarynzew hat auf seine alten Tage nämlich erkannt, dass er ein parasitäres Dasein auf Kosten der Arbeiter und Bauern führt, und interpretiert die Bergpredigt ...

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Theater heute Oktober 2009
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Christine Wahl

Vergriffen
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