Legende
Eine Biografie von Rolf Hochhuth? Danach griffe man, weil sie längst fällig ist. Kein anderer deutscher Schriftsteller hat so viel Aufsehen, Ärger, Wut und Zustimmung nach Kriegsende in die Welt gebracht wie der zarte junge Lektor aus Eschwege. Nach einer Biografie verlangte er, als er sich dafür Birgit Lahann rief, die in ihren journalistischen Jahren u.a. beim »Stern» das unterhaltsame Schreiben gelernt hat.
Sie ist eine theatererprobte, belesene Frau, die dem auskunftsfrohen Hochhuth in den vielen Gesprächen, die sie mit- und gegeneinander führten, verehrend zuhörte und dem noch belesenerem, gedächtnisstarken Hochhuth sogar Etliches zutrug, was er noch nicht wusste.
Sie trafen sich in des Dramatikers aparter, bücherbeladener, von schönen, jungen, helfenden Frauen belebter Wohnung hinterm Adlon in Berlin, Blick auf das Holocaust-Monument, tranken Kaffee, auch Wodka, fragten, antworteten, ohne dass das Ergebnis eine formale Frage-Antwort- Inspektion einer berühmten Person wurde. Die geduldige Bekenntnissammlerin Lahann nannte, was daraus entstand, zutreffend «ein Gesprächsbuch», versehen «mit allem Witz, allem Wahnsinn, seinen Verdiensten, seinen Stücken, den Geschichten und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Günther Rühle
Pläne der Redaktion
Die Festivalsaison ist in vollem Gang zwischen Wien, Brüssel, Posen und Hannover!
Herbert Fritsch feiert schon mal vorsorglich eine furiose «Apokalyse» in Recklinghausen
Tena Stivicic lebt in London und weiß Europa zu schätzen. Gerade weilsie die kroatische und jugoslawische Geschichte so gut kennt: «Drei Winter», eine Familiengeschichte von...
Ein Bericht des Österreichischen Rechnungshofs glänzt nicht unbedingt durch die gewandteste Prosa. Aber dafür bietet er tiefe Einblicke in die eigenwilligen Finanzpraktiken am Burgtheater unter Matthias Hartmann, der in den fünf Jahren seiner Leitung von September 2009 bis zu seiner fristlosen Kündigung am 11. März 2014 über zwei Millionen Euro bezogen hat. Laut...
An Dramatik mangelt es der Rostocker Kulturpolitik nicht. Jüngste Volte: Intendant Sewan Latchinian wurde vom Aufsichtsrat fristlos entlassen, angeblich weil er Interna weitergegeben und dem Ansehen des Theaters geschadet habe. Tatsächlich wollte Latchinian schon seit zwei Jahren nicht mitspielen bei den diversen widersprüchlichen und panischen Aktionen, mit denen...
