Die verspätete Nation
Eine gute Stunde bin ich jetzt in Weißrussland und fahre auf der Straße nach Minsk. Rechts geht es ab nach Moskau, genau 700 Kilometer, sagt das Verkehrsschild. Nicht viel weiter, gute 1.000 Kilometer, ist es nach Berlin. Trotzdem wird es nur noch ein paar Minuten dauern, bis ich das erste Mal deutlich spüre, wie fremd das Land ist, in dem ich gerade gelandet bin.
Darja zeigt aus dem Auto auf einen riesigen Glaswürfel, der schwer und plump auf einem dicken Ständer sitzt.
«Das ist unsere neue Nationalbibliothek, sie wurde zu einem der zehn hässlichsten Gebäude der Welt gewählt», sagt sie. Es ist in der Tat ein grotesker Bau, ein entschiedener Versuch, modern zu sein, der noch entschiedener verunglückt ist. Aber nicht das beschäftigt mich, sondern die Mischung aus Stolz und Selbstverachtung, mit der Darja es gesagt hatte: Schau her, so bescheuert sind wir! Aber, immerhin, so tauchen wir wenigstens auf in der Welt, wenn auch nur auf Hässlichkeitslisten!
Darja studiert in Minsk Wirtschaft, sie ist als eine der besten Dame-Spielerinnen Europas immer wieder im Ausland, gerade kommt sie aus den Niederlanden, und spricht, was hier sehr selten ist, Englisch. Trotzdem hat sie diese ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Ausland, Seite 42
von Peter Michalzik:
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Zerplatzte Träume, wildes Gekeife und Unmengen von Alkohol, um das Ungenügen am Leben zu ertränken – das Liebesfeuer des verkrachten Schauspielerpaares Arthur (Marcel Hoffmann) und Marilyn (Katja Thielen) ist längst erloschen. Alle Passion findet ihr Ventil inzwischen in zynischen Pointenschlachten, die stets um das Scheitern des Paares als zweitklassige...
Die jüngste Bonner Theatergeschichte ist ein Treppenwitz. Zweimal gab es Sparauflagen der Stadt für das Theater, die der amtierende Intendant nicht mittragen wollte: Manfred Beilharz 2003, dann Klaus Weise 2013. Und zweimal fand sich natürlich jemand, der bereit war, auch den verkleinerten Laden zu übernehmen. Nach Weise nun Bernhard Helmich. Diesmal wurde die...
