Projekt Alltagsbewältigung
Dieses Stück ist ein Glücksfall: ein Text, dessen Vielschichtigkeit auf sprichwörtlichen leisen Sohlen daherkommt, der gedankliche Schärfe mit einer fast fürsorglich zu nennenden Figurenführung vereint und der verschiedene lebensweltliche und gesellschaftliche Themen aufgreift und durchführt, ohne dass sich eines in den Vordergrund spielt oder der Autor der Versuchung der Thesenhaftigkeit erläge.
Aufgrund seiner episodischen Struktur ist Bernhard Studlars «Nacht ohne Sterne» entweder sehr knapp oder sehr ausführlich zusammenzufassen.
Es sei hier also möglichst wenig gespoilert: Die titelgebende Nacht bringt eine Reihe von Figuren zusammen und auseinander; zwei werden den nächsten Tag nicht mehr erleben, und für alle ist das Leben nicht mehr dasselbe. Da ist der Familienvater, der zum Messermörder wird, der Kredithai, der hinter seiner professionellen Brutalität ein liebendes Vaterherz verbirgt, eine Notärztin am Rande des Nervenzusammenbruchs, ein demaskierter Engel und der Tod höchstselbst in wechselnder Maskierung.
Kompositorisches Vorbild war offensichtlich Arthur Schnitzlers «Reigen». Wie Schnitzler entfaltet Studlar sein Gesellschaftspanorama durch eine Reihe von ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 183
von Georg Mellert
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