Zumutung gegen Vermutung

Über Feridun Zaimoglus und Günter Senkels semidokumentarische Monologe «Schwarze Jungfrauen» und ihre Uraufführung am HAU Berlin

Theater heute - Logo

Die eine wettert gegen «die Schwuchteln», «Scheißisrael» und «bürgerliche Pornoschlampen». Der nächsten sind «die toleranten Arschlecker» ein «Gräuel». Auch die Dritte hat «knallharte Ansichten: Es lebe der Gottesstaat! Es lebe der islamische Kampf im Irak und in Palästina! Amerika ist der Große Teufel!». Die zum Islam konvertierte Deutsche hält nichts von Ausländern: «Sie sind so extrem, sie schwitzen und stinken, sie haben kein Benehmen.

» Und die Querschnittsgelähmte fleht Allah an, er möge ihren Pfleger fertigmachen, «die Darmschlingen sollen dir, Pfleger, herunterbaumeln und schlackern neben deinen Beinen». Was zum Teufel sind das für Frauen? Verblendete Ideologinnen, selbstbewusste Hassmaschinen, abgefuckte Zeitbomben? 

Jedenfalls werben die «Schwarzen Jungfrauen», deren authentische Lebensbeichten der Schriftsteller Feridun Zaimoglu in insgesamt zehn Monologen aufgeschrieben hat, nicht gerade um Mitgefühl und Verständnis. Weder für ihren orthodoxen Glauben, noch für ihre Biografien und Anschauungen, die voller Widersprüche stecken. In einer Gesellschaft, die sich von Integrationskrisen geschüttelt und von Fundamentalisten bedroht glaubt, sind diese Neo-Musliminnen starker ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2006
Rubrik: Das Stück, Seite 40
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Den Osten im Blut

Um «Rosemaries Baby» inszenieren zu wollen, ist es nicht nötig, sich den Film anzuschauen, vielleicht ist es sogar schädlich. Statt Polanski haben Harriet Maria und Peter Meining mit ihrem Team gemeinsam Michael Hanekes Film «Caché» geguckt. Bei Übereinstimmungen zwischen der Teufelei in New York und einer intellektuellen Pariser Kultur-Bohème, die sich plötzlich...

Um die Ecke geliebt

 

Sieben Jahre lang musste sich der Burgschauspieler Michael Masula mit markanten Auftritten am Rande begnügen. Die Figur aber, die er in Anja Hillings neuem Stück «Bulbus» spielt, ist nicht nur im übertragenen Sinn des Wortes eine tragende Rolle: Während Masula seinen großen Anfangsmonolog spricht, hat er eine leblose junge Frau geschultert. Um die geliebte...

Frauen sind einfach klüger

Nun ist es amtlich: Frauen sind die besseren Menschen! Der größte deutsche Zeitdiagnostiker Frank Schirrmacher, vor kurzem noch von der Angst gebeutelt, dass «Stewardessen» wie Sabine Christiansen und anderes mittelmäßiges weibliches Personal die Meinungsmacht in diesem unserem Lande an sich reißen könnten, hat dazugelernt. Deutschland hat eine Kanzlerin, und...