Alter Worpsweder!
Ohlrogge stand in den Pedalen seines Holländer-Fahrrads und fuhr in die Hamme-Niederung, er war schon zu spät.Heute musste er eine sechsköpfige Gruppe aus Oldenburg betreuen, die sich für den Freilichtkurs angemeldet hatte und die ihn bereits links der Brücke auf dem Sandweg erwartete mit aufgestellten Staffeleien, Malplatten, Borstenpinseln und jeweils zwölf Farben auf der Palette.
«Wir dachten schon, Sie kommen nicht mehr!», sagte eineKursteilnehmerin, die ihn mit einer Schürze um denBauch startbereit ansah.
Auch die anderen vier Damen hielten den Borstenpinsel bereits in der Hand. Die eine, die dickste, mit erröteten Wangen, hatte ihn schon in Van-Dyck-Braun getunkt, nur ein einzelner Herr schraubte an seiner Staffelei.
Ohlrogge lehnte das Fahrrad an einen Zaun, nahm vorsichtshalber seine Luftpumpe aus der Halterung, um sie vorDiebstahl zu schützen, und stellte sich vor die Gruppe.Normalerweise begann er den Kurs »Auf den Spuren der alten Worpsweder» mit einer kleinen Einführung in dieLandschaftsmotive von Mackensen und Modersohn. Aberjetzt stand er stumm da und starrte in die Ferne.
Er sah sich als jungen Mann auf der Wiese stehen, auf der letzten Wiese vor dem Horizont. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein Konjunkturzyklus funktioniert im Kleinen so: Jemand erfindet ein Produkt, das alle Leute gerne haben wollen, sagen wir einen mp3-player oder das Auto. So langsam entsteht Nachfrage nach der noch seltenen Ware, und die Preise sind hoch. Das bemerken aufmerksame Hersteller, die auf den Zug aufspringen wollen und Fabriken aus dem Boden stampfen. Irgendwann gibt es...
Johanna Dark, Angestellte im Karitativbusiness des wirtschaftskrisengebeutelten Chicago, hat Hochkonjunktur. Wahrscheinlich, weil sie ein bisschen klingt wie Gregor Gysi oder Sahra Wagenknecht, wenn bei «Anne Will» mal wieder die soziale Umverteilungskeule geschwungen wird: «Dieses ganze System ist eine Schaukel mit zwei Enden, die voneinander abhängen», weiß...
Fernsehen
Montag, 1.
15.00, Theaterkanal: Heinrich Heine – zweiteiliger Fernsehfilm (1977) von Herbert Knopp, mit Christoph Bantzer, Barbara Sukowa, Rolf Becker, Rosemarie Fendel, Walter Rilla u.a., Regie Klaus Emmerich (2. Teil Dienstag, 2., 15 Uhr)
19.00, Theaterkanal: Theaterlandschaften:
Bayerisches Staatsschauspiel München – vorgestellt von Esther Schweins –...
